Staatsbilanz

Ausland/Elfenbeinküste

Chloranlagen da, Chlor nicht

In Proben aus 12 Dörfern lag das Wasser in den Haushalten in 68 Prozent der Fälle über dem WHO-Höchstwert für E.coli-Keime, keine der dort vorhandenen Chlorierungsanlagen lief.

Was ist passiert?

Côte d'Ivoire in Westafrika hat im Grunde genug Wasser, doch auf dem Land fehlt sauberes Trinkwasser. Von ca. 8.500 Dörfern haben nur ca. 500 eine Leitungsversorgung. Ab 1998 finanzierte das BMZ über die KfW deshalb in 112 Dörfern mit 1.000 bis 4.000 Einwohnern Bohrbrunnen mit elektrischer Pumpe, Wasserspeicher, Leitungen und Zapfstellen, dazu Chlorierungsanlagen. Eine Begleitmaßnahme schulte die dörflichen Nutzerkomitees im technischen und finanziellen Betrieb und sensibilisierte die Bevölkerung für Hygiene.

Die Anlagen laufen und liefern laut Bericht genug Wasser, um den häuslichen Bedarf zu decken. Sauberes Wasser liefern sie nicht verlässlich. Bei Proben in 12 Dörfern lag das Wasser in den Haushalten in 68 Prozent der Fälle über dem WHO-Höchstwert für E.coli-Keime. Ziel waren 90 Prozent im Rahmen der WHO-Standards. In der Stichprobe wurde keine der vorhandenen Chlorierungsanlagen betrieben, obwohl mit einer Ausnahme alle als betriebsbereit bestätigt wurden. Begründet wurde das mit Unkenntnis über die Beschaffung von Chlor und unzureichender Einweisung in den Betrieb der Anlagen. Als weitere Ursachen nennt der Bericht ungeschützte Wasserquellen und mangelnde Hygiene beim Transport und Lagern des Wassers.

Geplant waren 42 Monate Durchführung, es wurden rund 233, also gut fünfeinhalbmal so lang (233 geteilt durch 42). Der Bericht nennt die nationalen Krisen 2002, 2004/5 und 2010/11, zahlungsunfähige Baufirmen und eine umfangreichere Vorbereitung und Auswahl der Standorte. Die Kosten stiegen von 9,05 auf 15,76 Mio. Euro, allerdings kam 2010 eine zweite Phase mit 45 weiteren Standorten hinzu. Das BMZ trug laut Bericht 14,19 Mio. Euro.

Die Wasserspeicher der ersten Phase sind teilweise zu klein, in der zweiten Phase wurden die Anlagen robuster ausgelegt, etwa mit größeren Speichern, und Trockenlatrinen für Schulen und Gesundheitszentren kamen hinzu. Die Sanierung alter Brunnen erwies sich in einigen Fällen als wenig kosteneffizient, weil später zusätzliche Brunnen nötig wurden. Rückstellungen werden kaum gebildet, die mittel- bis langfristige Kostendeckung ist gefährdet.

Die KfW hält die Mittel dennoch für effizient eingesetzt, bei 20 bis 25 Euro je Einwohner in der ersten und 30 bis 35 Euro in der zweiten Phase, und bewertet die Effizienz insgesamt mit Teilnote 3, zufriedenstellend. Das Wasser sei bei regelmäßiger Nutzung geringer belastet als das aus örtlichen Brunnen, und alle besichtigten Systeme seien zum Teil fast 10 Jahre nach Inbetriebnahme noch in Betrieb. Das Gesamturteil lautet trotzdem Note 4, nicht erfolgreich, weil die Wasserqualität nach WHO-Standards nicht hinreichend sichergestellt werden konnte.

Kritik

Bezahlt wurden Chlorierungsanlagen, die in der Stichprobe nicht betrieben wurden, weil die Betreiber nicht wussten, wie sie an Chlor kommen, und nur unzureichend eingewiesen waren. Die Schulung der Nutzerkomitees hat den Betrieb der Chlorierung offenkundig nicht verankert. Zusammen mit ungeschützten Quellen und mangelnder Hygiene in den Haushalten wurde so das eigentliche Ziel, gesundheitlich unbedenkliches Wasser, verfehlt. Bevor die Anlagen übergeben wurden, hätten die Beschaffung von Chlor, eine ausreichende Einweisung der Betreiber und eine regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität geklärt sein müssen. Die zweite Phase brachte größere Speicher und Latrinen, dass dabei auch bei der Chlorierung nachgesteuert wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor. Eine Wasserversorgung, die genug, aber keimbelastetes Wasser liefert, erfüllt ihren Zweck nur zur Hälfte.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2020. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-199465626.

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