Neue Bank für einen übersättigten Teilmarkt
Die Beteiligung an einer neuen Stadtbank in Ghana schrumpfte von 0,92 Mio. Euro auf 0,343 Mio. Euro, gegründet für urbane Händler, ein Teilmarkt, den die Evaluierung selbst übersättigt nennt
Was ist passiert?
In Ghana haben nur ca. 30 % der Bevölkerung ein Bankkonto. In den Städten herrscht laut Bericht teilweise Überversorgung mit Finanzdienstleistungen, auf dem Land extreme Unterversorgung. Mit BMZ-Haushaltsmitteln beteiligte sich die KfW treuhänderisch an zwei neuen Instituten: mit 0,92 Mio. Euro an einer städtischen Finanzinstitution und mit 3,5 Mio. Euro an einem Refinanzierungsfonds. 0,92 plus 3,5 Mio. Euro ergibt 4,42 Mio. Euro. Der Bericht weist zusätzlich zwei Beratungsmaßnahmen von 1 Mio. und 0,8 Mio. Euro aus BMZ-Mitteln aus, die zwischen 2008 und 2013 liefen. Für die Stadtbank waren ursprünglich 0,42 Mio. Euro geplant. Warum es mehr wurde, erklärt der Bericht nicht.
Die geplante Bank für den ländlichen Raum, wo der Bedarf am größten ist, kam nicht zustande. Die KfW zweifelte an den Managementressourcen der Holding und sah hohe Kreditrisiken. Die Kundengruppe „ländliche KKMU“ wurde laut Bericht stattdessen in einem eigenständigen Programm (Mikrofinanzprogramm III) bedient, auf das die Mittel umgewidmet wurden. Die Stadtbank dagegen ging in einen Teilmarkt, den der Bericht „übersättigt“ nennt. Rund 80 % ihres Kreditportfolios entfallen auf den gut versorgten Handel. Bei Befragungen zeigte sich, dass viele Kunden bereits Kunden anderer Institute gewesen und teilweise abgeworben worden waren. Statt mindestens 13.000 Kreditnehmern und 10,0 Mio. Euro Portfolio standen im April 2015 11,445 Kreditnehmer und 8.3 Mio. Euro in den Büchern. Bei der Eigenkapitalrendite liegt die Stadtbank immerhin auf Rang 6 von 27 Spar- und Kreditinstituten. Der Bericht misst Zielindikatoren wie Ausfallquote, Rentabilität, Portfolio und Kreditnehmerzahl. Für das Oberziel wurden jedoch keine Indikatoren definiert, und ob Arbeitsplätze entstanden, ist unklar, weil dazu keine Daten erhoben wurden.
Der Fonds erreicht ca. 0,6 % des Kreditvolumens der Spar- und Kreditinstitute. Ausfallgefährdete Kredite über 30 Tage hat er keine (0 %). Laut Bericht war er schon ex ante zu klein ausgestattet, und die Wirtschaftskrise verzögerte den Einstieg eines ghanaischen Pensionsfonds bis Ende 2014. Seine Gründungskosten von 1 Mio. Euro nennt der Bericht „sehr hoch“: 1 Mio. Euro geteilt durch ca. 4,45 Mio. Euro Fondsvolumen ergibt rund 22 Prozent.
Es handelt sich um Beteiligungen, nicht um verlorene Zuschüsse. Durch Abwertung und Anfangsverluste sank ihr Wert jedoch auf 0,343 Mio. Euro bei der Stadtbank und auf einen Gegenwert von 3,2 Mio. Euro beim Fonds. 0,343 plus 3,2 Mio. Euro ergibt rund 3,54 Mio. Euro statt 4,42 Mio. Euro. Dividenden gab es bisher keine. Mitverantwortlich war eine Wirtschaftskrise, in der die Landeswährung binnen zwei Jahren ca. 50 % verlor. Beide Institute sind seit 2013 profitabel und operativ nachhaltig, finanziell nachhaltig aber noch nicht. Dem Fonds traut der Bericht zu, sich am Markt zu etablieren, falls er weiteres Kapital einwirbt. Relevanz und Nachhaltigkeit erhielten jeweils die Teilnote 3, die Gesamtnote lautet 4.
Kritik
Mit deutschem Steuergeld wurde eine weitere kleine Bank in einen städtischen Teilmarkt gesetzt, in dem bereits etablierte Anbieter um dieselben Händler konkurrierten. Die ländliche Bank, die den Bedarf am klarsten begründet hätte, wurde nicht gegründet und ihre Zielgruppe in ein anderes Programm verlagert. Die städtische Hälfte wurde trotzdem gebaut. Dass mehrere etablierte Institute nahezu identische Segmente abdeckten, stellt der Bericht bereits für den Zeitpunkt der Programmprüfung fest. Die Neugründung sei daher kaum geeignet gewesen, die Programmziele zu erreichen, und weil der Sektor eher eine Konsolidierung benötige, seien ihre Kosten eher nicht gerechtfertigt. Die Stadtbank arbeitet inzwischen profitabel, doch ihre Beteiligung hat mehr als die Hälfte ihres Werts verloren, und ihre Wirkung auf Zielgruppe und Beschäftigung lässt sich nicht nachweisen, weil dafür weder Indikatoren noch Daten vorgesehen waren.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2015. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200565556.