Staatsbilanz

Ausland/Honduras

Waldschutz bezahlt, Abholzung gestiegen

Das BMZ zahlte 9,62 Mio. Euro für den Schutz des größten Schutzgebiets von Honduras, doch die jährliche Entwaldung lag am Ende bei 2,38 % statt unter 1 %.

Was ist passiert?

In Honduras liegt die Biosphäre Río Plátano, mit 832.332 ha das größte Schutzgebiet des Landes und UNESCO-Welterbestätte. Sie umfasst rund 7 % der Landesfläche und den größten Laubwald Mittelamerikas. In der Region leben etwa 70.000 Menschen, überwiegend arm und abhängig von Land- und Forstwirtschaft sowie Viehzucht. Das Vorhaben sollte die nachhaltige Bewirtschaftung verbessern und die natürlichen Ressourcen schützen. Das BMZ zahlte dafür 6,62 Mio. Euro und für eine Nachbetreuung weitere 3,0 Mio. Euro.

Geschützt wurde der Wald nicht. Ziel war eine jährliche Entwaldung von unter 1 %, zum Projektabschluss 2017 lag sie bei 2,38 %. In der Kernzone, die frei von menschlichen Eingriffen bleiben sollte, verschwanden während der Umsetzung 220 ha Wald jährlich, vor Projektbeginn waren es 40 ha. Das ist das 5,5-Fache (220 geteilt durch 40). Von sieben Zielmarken wurde nur eine erfüllt, zwei teilweise.

Auch der Rest hielt nicht. Drei der besuchten geförderten Kooperativen stellten die geförderten Produkte nicht mehr her, eine vierte existierte nicht mehr. Zwei Kooperativen wollten die erhaltenen Bohnentrockner vermieten oder verkaufen. Das Monitoringsystem SIMONI wurde zuletzt 2016 aktualisiert, keiner der befragten Akteure nutzte es. Statt 4 Jahren dauerte das Vorhaben 11 Jahre. Allein der Durchführungsconsultant kostete knapp 3,5 Mio. Euro, 52 % der Gesamtkosten, nach Einschätzung der KfW hoch, aber vertretbar.

Die KfW vergab 2022 selbst die Note 4, eher nicht erfolgreich. Sie verweist auf Migrationswellen, illegale Aktivitäten und eine zu wenig beteiligte Zentralregierung, vor allem aber auf die eigene Planung. Faktisch sei es ein Projekt zur Vergabe von Landtiteln gewesen, in das 75 % der Kosten flossen. Das gelang: Indigene Gebiete wurden tituliert, die Steuereinnahmen der Gemeinden stiegen zwischen 2016 und 2020 um 87,6 %. Eine messbare Verringerung der Entwaldung hält die KfW aber schon konzeptionell für unplausibel. Das hätte sich bereits bei der Planung erkennen lassen.

Kritik

Wer 9,62 Mio. Euro (6,62 plus 3,0 Mio. Euro) für Waldschutz bewilligt, muss Maßnahmen finanzieren, die den Wald tatsächlich schützen können. Hier wurden Ziele formuliert, die nach Einschätzung der KfW schon konzeptionell nicht erreichbar waren, und am Ende wurde mehr abgeholzt als zuvor. Das Geld für Kooperativen, die nicht mehr arbeiten, und für ein Monitoringsystem, das niemand nutzt, ist verloren. Das BMZ hätte das Vorhaben ehrlich als Landtitelprojekt planen und den Waldschutz dort ansetzen müssen, wo die KfW die Verantwortung sieht, bei der Zentralregierung.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2022. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200666131.

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