Staatsbilanz

Ausland/Kirgisistan

Notaufnahme ohne Werkstatt und Handbuch

Die neue Notaufnahme von Jalal Abad wird genutzt, doch von der mitfinanzierten Wartung ist nichts übrig, und die neuen OPs sind unterausgelastet, unter anderem weil alte Säle weiterlaufen und ein OP-Management fehlt.

Was ist passiert?

Kirgisistan liegt in Zentralasien. Die gebirgige Region Jalal-Abad grenzt an Usbekistan, über 36 Prozent der Menschen dort lebten 2023 in Armut. Am Regionalkrankenhaus wurden Notfälle bis dahin an 6 verschiedenen Stellen aufgenommen. Das BMZ bezahlte deshalb einen Neubau mit zentraler Notaufnahme, zwei Operationssälen und Intensivstation, dazu Schulungen und den Aufbau einer Wartung.

Die Notaufnahme läuft seit rund 5 Jahren, Personal und Management sind zufrieden. Die geplante Zahl an Notfallpatienten wurde fast erreicht: 20.440 statt 25.550 im Jahr, also rund 80 Prozent (20.440 geteilt durch 25.550). 6 von 8 Einheiten sind in Benutzung, der Großteil der medizinischen Ausstattung ist funktionsfähig, das Gebäude war in gutem Zustand. In der Covid-Pandemie leistete die Notaufnahme laut Berichten einen positiven Beitrag.

Von der Wartung fanden die Prüfer dagegen nichts mehr, obwohl das Vorhaben Wartungskonzept, Software und die Schulung von Technikern finanziert hatte: keine Werkstatt, kein qualifiziertes Personal, die vorgesehene Software ungenutzt, Bedienungsanleitungen für medizinische Geräte „fehlten vollständig“. Die im Vorhaben beschaffte Sterilisationsanlage war defekt und laut Angaben vor Ort auch für Techniker aus Osh oder Bishkek nicht zu reparieren. Der Betrieb litt darunter nicht, weil ältere Anlagen in anderen Gebäuden genutzt wurden. An den 7 Überwachungsbetten ließ sich der Sauerstoffanschluss nur an 2 Betten nutzen, Ersatzteile sind laut Bericht nicht zugänglich. Der Bericht fragt deshalb auch, ob eine andere Gerätewahl mit leichter zugänglichen Ersatzteilen und Servicemöglichkeiten die Nutzung verbessert hätte. Ein portables Ultraschallgerät stand ungenutzt, selbst Schwerkranke wurden durchs Gebäude zum stationären Gerät getragen. Bei Schränken und Kommoden stellte der Bericht eine Überausstattung fest.

Geplant waren 2.700 Notfalloperationen im Jahr in den beiden neuen OPs. Aus den Büchern eines einzigen Monats, Januar 2025, rechnete die Evaluierung 840 im Jahr hoch, knapp ein Drittel (840 geteilt durch 2.700). Einschließlich geplanter Eingriffe geht der Bericht nach mündlichen Angaben von im Mittel 1.642 Operationen im Jahr aus, rund 61 Prozent des Plans (1.642 geteilt durch 2.700). Zur Unterauslastung trägt laut Bericht bei, dass alte Operationssäle und Intensivbetten entgegen dem Rationalisierungskonzept weiterliefen. Dieses Konzept hatte die deutsche Seite laut Bericht „richtigerweise“ gefordert und ausarbeiten lassen, die Abweichung wurde bereits bei der Abschlusskontrolle 2022 festgestellt. Zudem fanden die Prüfer keine Strukturen für ein OP-Management, das die neuen Kapazitäten effizient nutzt.

Geschult wurden 934 Mitarbeiter zwischen Januar 2017 und Juli 2018. Die Notaufnahme öffnete erst im September 2020. Bei der Evaluierung waren wegen hoher Abwanderung kaum noch geschulte Kräfte anzutreffen. Curricula und Trainingsmaterial werden an den Ausbildungsinstituten teilweise weiter genutzt.

Die Investitionskosten stiegen von geplanten 2,45 auf 3,33 Mio. Euro, der Bau kostete mit 1,69 Mio. Euro rund 54 Prozent mehr als geplant. Laut Bericht trug das BMZ 2,38 Mio. Euro für die Investition bei, geplant waren 2,3 Mio. Euro, dazu 0,7 Mio. Euro für die Begleitmaßnahme. Die medizinische Ausstattung lief über einen Gemeinschaftstopf mehrerer Geber.

Die KfW nennt die Erweiterung zur Notaufnahme mit OPs „grundsätzlich nachvollziehbar“ und nimmt die Investitionen als kosteneffizient an. Verzögert hätten langwierige Abstimmungen und auch Corona. Die Notaufnahme dient landesweit als Vorbild, ihre Konzepte flossen in den nationalen Masterplan. Wegen der Steuerung durch das Gesundheitsministerium sei davon auszugehen, dass essenzielle Ersatzinvestitionen getätigt werden. Die Gesamtnote lautet „eingeschränkt erfolgreich“.

Kritik

Der Neubau wird genutzt und gilt landesweit als Vorbild, doch zwei mitfinanzierte Bausteine sind weitgehend verpufft. Wartungskapazitäten waren bei Prüfung und in den Verträgen klar gefordert. Laut Bericht wurden diese Forderungen an den Partner aber abgeschwächt und nicht nachverfolgt. Von Konzept, Software und geschulten Technikern war nichts mehr zu finden. Defekte wie an Sterilisation und Sauerstoffanschlüssen gehen allerdings nicht allein darauf zurück: Die Sterilisationsanlage konnten auch auswärtige Techniker nicht reparieren, Ersatzteile sind im Land nicht zugänglich, und der Bericht stellt die Gerätewahl selbst in Frage. Die Schulungen endeten zwei Jahre vor der Eröffnung und erreichten das spätere Personal kaum. Zur Unterauslastung der neuen OPs tragen laut Bericht der Weiterbetrieb alter Säle und Intensivbetten entgegen dem vereinbarten Konzept sowie ein fehlendes OP-Management bei. Die Rationalisierung hatte die deutsche Seite gefordert, umgesetzt wurde sie vom Krankenhaus nur teilweise. Der Bericht selbst zieht die Lehre, auf Geräte ohne technischen Support und Ersatzteile im Land zu verzichten und Schulungen an den Start des Betriebs zu legen.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2025. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200965699.

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