Staatsbilanz

Ausland/Malawi

Der OP-Saal, in dem nie operiert wurde

Deutschland zahlte 6,83 Mio. Euro für Kliniken in Malawi, doch eine Geburtsstation und ein Operationssaal wurden noch nie genutzt und von 10 Sterilisatoren laufen nur noch 3

Was ist passiert?

Malawi im Südosten Afrikas gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, das BIP pro Kopf lag 2021 bei 634 USD. Auf dem Land versorgen oft kirchliche Kliniken die Menschen. Ihr Dachverband CHAM erbringt rund 30 % der Gesundheitsleistungen im Land. Das BMZ finanzierte über die KfW mit 6,83 Mio. Euro als Zuschuss den Ausbau von 15 dieser Einrichtungen in der Zentralregion, vor allem Geburtsstationen. Der Staat sollte über Verträge, sogenannte SLAs, die kostenlose Behandlung von Müttern und Kindern bezahlen.

Gebaut wurde, genutzt wird nicht alles. Im Tsangano Health Center wurde die neue Geburtsstation samt Ausstattung noch nie genutzt, weil der Stromanschluss fehlt. Im Nambuma Hospital wurde der neue Operationssaal noch nie genutzt, nach eigenen Angaben mangels Anästhesist. In beiden Fällen wartet die Ausstattung seit Jahren noch verpackt und meist unsachgemäß gelagert. In das OP-Gebäude ist bereits Wasser eingetreten, Gewährleistung und Wartungsverträge sind ohne jede Nutzung ausgelaufen. Weil vor Ort keine Kaiserschnitte möglich sind, müssen laut Bericht pro Monat „insgesamt wohl rund 60“ Überweisungen ans nächste Krankenhaus erfolgen.

Von 10 elektrischen Sterilisatoren nutzten nur noch 3 Einrichtungen ihr Gerät. Die Kühlschränke werden in allen besuchten Einrichtungen nicht genutzt, laut Angabe, weil sie nicht benötigt werden. Werkzeuge und Ersatzteile für den Wartungsdienst lagen ungenutzt und unsortiert in einem Container in Lilongwe. Dieser Dienst hat nach eigenen Angaben noch nie funktioniert.

Statt der bei Prüfung angenommenen 3 Jahre dauerte das Vorhaben bis zum Abschlussbericht 2023 über 11 Jahre. Hauptgrund war eine einzige Baufirma für 15 abgelegene Standorte. Die Consultingkosten lagen dadurch am Ende knapp 40 % höher als veranschlagt.

Die KfW bewertet das Vorhaben als „eher nicht erfolgreich“. Den Ansatz, bestehende Kirchenkliniken zu stärken, hält sie für geeignet, die Personalwohnungen wurden sehr gut angenommen. Als Ursachen nennt sie auch Sparpolitik, drohende Geberkürzungen, Covid-19, Cholera und Extremwetter. Die Eigentümerkirchen kommen ihrer Pflicht zur Wartung nach Angaben der Klinikleitungen nicht oder nicht im nötigen Umfang nach. Dass Geburtsstation und OP zeitnah in Betrieb gehen, zeichnete sich bei der Evaluierung nicht ab.

Kritik

Ein Operationssaal ohne Anästhesisten und eine Geburtsstation ohne Strom sind keine Investition, sondern eingelagertes Steuergeld. Strom, Wasser und Personal hätten feststehen müssen, bevor gebaut und Geräte gekauft wurden, und die Ausstattung hätte zu dem passen müssen, was vor Ort gebraucht und gewartet werden kann. Wer die Wartung Kirchen überlässt, die laut den Klinikleitungen nicht oder nicht ausreichend zahlen, und dabei Häuser ohne gesicherte Kostenübernahme fördert, nimmt den Verfall in Kauf. Die ungenutzten Geräte gehören umgehend dorthin, wo sie gebraucht werden.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2023. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200967190.

Weitere Vorgänge im Ausland

  1. 2026NamibiaKfW-Evaluierung Flutfeste Straßen, teuer gebaut und knapp unterhalten 8,7 Mio. € Statt geplanter 0,64 Mio. Namibia-Dollar kostete in der zweiten Bauphase jeder Kilometer Zugangsstraße 2,1 Mio., und zur Finanzierung der Instandhaltung wurde mit den Partnern nichts vereinbart.
  2. 2026PeruTransparenzportalAusgabe mit Nachfrage 20 Millionen Euro Zuschuss für Radwege in Lima 15,2 Mio. € Das BMZ bezahlt der Stadtverwaltung von Lima den Ausbau ihres Radwegenetzes als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt wird. Bis September 2026 flossen 15,2 Mio. Euro.
  3. 2026UkraineTransparenzportalAusgabe mit Nachfrage 5 Millionen Euro Entwicklungsgeld für die Fußball-EM 2012 5,1 Mio. € Das BMZ bezahlte der Ukraine und vier Gastgeberstädten über die GIZ Beratung zu Flughäfen, Nahverkehr, Standortmarketing und Tourismus für die UEFA EURO 2012.

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz