Parkzentrale an Mauretaniens Küste kaum genutzt
Für Naturschutz an Mauretaniens Küste zahlte das BMZ 25,64 Mio. Euro, die Beraterkosten lagen 240 Prozent über Plan, und das neue Hauptquartier wird kaum genutzt.
Was ist passiert?
Mauretanien liegt an der Atlantikküste Westafrikas, seine Küstengewässer gehören zu den fischreichsten der Welt. Der Nationalpark Banc d’Arguin ist UNESCO-Welterbe und Winterquartier für Zugvögel, auch aus dem deutschen Wattenmeer. Das BMZ bezahlte Bauten dort und im Park Diawling sowie Kapital für einen Naturschutzfonds. Geplant waren drei Jahre (2012 bis 2014). Nach zwei Aufstockungen 2014 und 2018 lief das Vorhaben aber bis 2022, also acht Jahre länger (2022 minus 2014).
In Chami entstand ein neues Hauptverwaltungsgebäude. Laut Bericht „wird kaum genutzt, scheint überdimensioniert und wenig funktional“. Die erhofften Einsparungen bei den Betriebskosten blieben aus. Mit Anpassungen wie mehr Schlafräumen, einer Werkstatt und Lagerfläche könnte die Anlage nach Einschätzung der Evaluatoren aber „zu einer gut genutzten logistischen Zwischenbasis umfunktioniert werden“. Die beiden neuen Stützpunkte im Park werden gut genutzt. Zufahrtswege zu abgelegenen Dörfern konnten „aus technischen Gründen“ nicht gebaut werden, stattdessen kaufte man ein Motorboot. Es wurde kaum benutzt und ist wegen mangelnder Wartung und unsachgemäßer Lagerung der Motoren nicht mehr einsatzfähig. Die Entsalzungsanlagen werden „von der ansässigen Bevölkerung sehr geschätzt“ und haben „zu einer punktuellen Verbesserung der örtlichen Lebensbedingungen beigetragen“, fallen aber häufig aus, teils wochenlang. Als Ursache nennt der Bericht vor allem die Abhängigkeit von einem europäischen Anbieter, die die schnelle Beschaffung von Ersatzteilen und eine professionelle Wartung erschwert. Für teures Gerät gab es zudem weder Werkstatt noch Lager, so „liegt wertvolles Material im Sand“.
Im Park Diawling wurde ein geplantes Wehr aus Kostengründen gestrichen. Der Bericht nennt das im Nachhinein einen „gravierenden Fehler“, dessen Folgen zum Zeitpunkt der Entscheidung so nicht vorauszusehen waren: Reisbauern bauten dort einen eigenen Damm und unterbanden den Wasserabfluss. Sanierte Deiche beschädigten Lastwagen für einen Hafenbau. Das Geld für die Reparatur stellte die Regierung trotz Versprechungen nicht bereit. Ihr Eigenbeitrag lag mit 0,57 Mio. Euro bei knapp 50 Prozent des Vereinbarten.
Die Beraterkosten stiegen auf 2,96 Mio. Euro, 240 Prozent mehr als veranschlagt. Die Infrastrukturkomponente kostete insgesamt 2,56 Mio. Euro mehr als ursprünglich geplant, bei geringerem Leistungsumfang; sie lag laut Bericht aber unter den 2016 angepassten Soll-Werten. Als Gründe nennt die KfW eine zu optimistische Planung, langwierige Ausschreibungen, geringes Marktinteresse und Qualitätsprobleme. Die Kostentabelle des Berichts weist 25,64 Mio. Euro BMZ-Mittel als Zuschuss aus, im Text steht ein Gesamtbudget von 25,5 Mio. Euro.
Die KfW wertet das Vorhaben als „eingeschränkt erfolgreich“, die Ziele seien weitestgehend erreicht. 15,2 Mio. Euro flossen in den Fonds, der seit 2014 kumuliert 5,49 Mio. Euro an Schutzprojekte ausgezahlt hat. Die Wasserbauten in Diawling seien „sehr robust“ und würden gut gewartet. Eine Deichreparatur ergebe erst nach Fertigstellung der Umgehungsstraße zum Hafen Sinn.
Kritik
Ein Teil des Geldes steckt in einem Hauptquartier, das kaum genutzt wird und erst umgebaut werden müsste, um sinnvoll zu dienen, und in einem Boot, das nicht mehr fährt, während ausgerechnet das Wehr gestrichen wurde, dessen Fehlen sich im Nachhinein als gravierender Fehler erwies. Wer empfindliche Technik an eine abgelegene Küste liefert, ohne Lager, Werkstatt und gesicherte Wartung, nimmt den Verfall in Kauf. Bei den geschätzten, aber oft ausfallenden Entsalzungsanlagen kam hinzu, dass man sich an einen einzelnen europäischen Anbieter band, sodass Ersatzteile und fachkundige Wartung schwer zu bekommen sind; ein Anbieter aus der Region oder ein Ersatzteilvorrat hätte das entschärft. Die Beraterkosten von 240 Prozent über Plan zeigen, dass Zeitplan und Ausschreibung von Beginn an zu optimistisch angesetzt waren. Gelder für Bauten hätten an verbindliche Zusagen für Eigenbeitrag und Instandhaltung geknüpft und der Gebäudeumfang am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden müssen.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2025. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-201067230.