Staatsbilanz

Ausland/Mosambik

Für 3,8 Millionen gekauft, für 10 Dollar verkauft

Für rund 3,8 Mio. Euro erwarb die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Anteile an einer Mikrofinanzbank in Mosambik und gab sie 2012 zum symbolischen Preis von 10 US-Dollar wieder ab.

Was ist passiert?

In Mosambik lebt die Bevölkerung auf dem Land hauptsächlich von Subsistenzwirtschaft. Der Zugang kleiner Betriebe zu Krediten hat dort eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Mit deutschem Entwicklungsgeld wurde deshalb Mitte der 2000er Jahre in Maputo eine ländliche Mikrofinanzbank gegründet. Sie sollte als Vollbank Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen vorzugsweise im ländlichen Raum versorgen. Die deutsche Finanzielle Zusammenarbeit hielt 20 Prozent der Anteile, das BMZ stellte für die Vorhaben insgesamt 13,24 Mio. Euro bereit.

Die Bank nahm ihr Geschäft erst rund zwei Jahre nach der Gründung auf und expandierte dann schnell und teuer in ländliche Gebiete. Den hohen Investitionen standen zu wenige Kunden gegenüber. 2010 erreichte die Bank nur ein Drittel der geplanten Kundenzahl. Bis 2011 erzielte sie zu keiner Zeit eine real positive Eigenkapitalrendite, Personal- und Sachkosten überstiegen immer wieder die Erträge. Zweimal musste das Eigenkapital erhöht werden, um den Fortbestand der Bank zu sichern. Die Zielgruppe erreichte sie kaum: 2009 entfielen 50 Prozent des Gesamtkreditportfolios auf die zehn größten Kredite. Innovative Finanzprodukte für ländliche Kleinbetriebe führte sie nicht ein.

Für ihre Anteile hatte die deutsche Seite rund 3,8 Mio. Euro gezahlt, nämlich 1,0 Mio. Euro bei der Gründung und 2,8 Mio. Euro bei einer Kapitalerhöhung. 2012 gingen die Anteile an den lokalen Entwicklungsfinanzierer, rechtlich als Verkauf zum symbolischen Preis von 10 US-Dollar. Hinzu kamen 3,68 Mio. Euro aus einem deutschen Zuschuss, die eigentlich als Kreditlinien gedacht waren. Sie wurden in Eigenkapital umgewandelt, damit der lokale Partner an der Kapitalerhöhung teilnehmen konnte. Zusammen flossen so rund 7,48 Mio. Euro deutscher Mittel in Anteile an der Bank (3,8 Mio. Euro plus 3,68 Mio. Euro).

Die KfW Entwicklungsbank vergab in ihrer eigenen Evaluierung die Note 5, also „eindeutig unzureichend“. Sie räumt ein, die Ziele seien von Anfang an zu ambitioniert formuliert gewesen. Schon zu Beginn sei fraglich gewesen, ob sich ein teures Filialnetz in Gebieten mit nur mäßiger wirtschaftlicher Aktivität tragen könne. Als weitere Gründe nennt die KfW ein Management, dem die Vertrautheit mit den lokalen Umständen fehlte, sowie strategische Uneinigkeiten innerhalb der Bank. Eine bestehende Bank hätte nach ihrer Einschätzung vermutlich die bessere Basis geboten. Diese Offenheit ist bemerkenswert, kommt für das Geld aber zu spät.

Kritik

Eine neue Bank mit unrealistischen Zielen in Regionen mit geringer Wirtschaftskraft aufzubauen, war ein riskantes Experiment, dessen Schwächen schon bei der Planung erkennbar waren. Statt nach den ersten Verlusten umzusteuern, wurden weitere Millionen als Eigenkapital nachgeschossen. Am Ende stand eine Bank, die ihre Zielgruppe kaum erreichte, und Anteile im Wert von Millionen gingen für einen symbolischen Preis weg. Das BMZ hätte eine bestehende Bank unterstützen und weiteres Geld nur gegen einen realistischen Geschäftsplan freigeben dürfen.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2013. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200565804.

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