Markt mit falsch geplanten Abwassertanks
Ein Vorhaben mit elf Anlagen in Sambia kostete das BMZ 9,10 Mio. Euro, zwei davon werden derzeit praktisch gar nicht genutzt
Was ist passiert?
Sambia im südlichen Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Rund 64 % der Bevölkerung leben von weniger als 2,15 USD am Tag. Die Regierung will Aufgaben vom Zentralstaat auf die Gemeinden verlagern. Das BMZ half dabei mit einem Zuschuss: Elf Distrikte der Südprovinz sollten mit deutschem Geld Busbahnhöfe und Märkte bauen lassen. Realisiert wurden elf Anlagen, darunter ein Gemeinde- bzw. Geschäftszentrum in Sinazongwe. Geplant waren 36 Monate. Bis zur Abschlusskontrolle 2021 wurden daraus 90 Monate, und die letzten Projekte wurden erst 2025 fertig.
Von elf Anlagen sind zehn in Betrieb. Der Markt in Namwala sollte nach einem Wechsel des Bauunternehmers erst Mitte September 2025 öffnen. Der Markt in Chikankata ist nicht betriebsbereit. Die Abwassertanks sind falsch geplant, es kommt zu Überschwemmungen und hygienischen Problemen. Der Bericht nennt hier auch eine unbefriedigende Planung der Ingenieurbüros. Für eine Lösung sind weitere Investitionen nötig. Im Gespräch ist ein Fleischmarkt, der allerdings eine Kühlkammer erfordert. Das Gemeindezentrum in Sinazongwe wird kaum genutzt, weil sich keine Mieter finden. Die Gemeinde erwartet mehr Nachfrage, sobald der Straßenbau abgeschlossen ist. Das ist für Ende 2025 vorgesehen. In beiden Fällen wurden laut Bericht über die technischen Probleme hinaus „die Bedarfe falsch eingeschätzt“. Die vorgesehenen Analysen zu Bedarf, Kosten und Kostendeckung wurden nicht durchgeführt oder entsprachen nicht den Anforderungen. Gemeinden und Task Force hatten sie nicht hinreichend eingefordert. Die Planungsdefizite hätten so laut Bericht „vielleicht vermieden werden können“. Bei den übrigen Anlagen bewertet der Bericht die Bauqualität als gut. Sie entspricht dem üblichen Durchschnitt in Sambia oder liegt darüber. Die übrigen besuchten Märkte werden fast vollständig genutzt. Die befragten Nutzer äußerten sich sehr zufrieden. Diese Befragung war allerdings nur anekdotisch und ist nicht repräsentativ.
Teuer wurde vor allem die Begleitung. Die Consultingkosten stiegen von geplanten 1.338.600 Euro auf 2.338.447,83 Euro. Das sind rund 75 % mehr (2.338.447,83 geteilt durch 1.338.600 = 1,75). Ihr Anteil an den Projektkosten stieg von 17,3 % auf 25,3 %. Die Evaluierung der KfW nennt die Kosten zu hoch, wegen der langen Bauzeiten aber „erforderlich und vertretbar“. Die Baukosten selbst hält sie für angemessen. Durch den Verfall des Kwacha wurden sie sogar günstiger als angenommen. Als Ursachen der Verzögerung nennt der Bericht die drastische Abwertung des Kwacha, eine Inflation von jährlich 15 bis 20 % und Bauverträge in Kwacha, die finanzschwache Firmen überforderten. Die Provinzverwaltung ließ zudem Baufirmen der untersten Klassen zu, obwohl der Consultant davon abgeraten hatte. Hinzu kamen ein schwacher erster Consultant und langwierige Genehmigungen. Bewusst gewählt war der Learning-by-Doing-Ansatz, und zwar „unter Inkaufnahme einer deutlich verlängerten Implementierungszeit“. Die Einbindung vieler Akteure und die Auswahl der Projekte unter Beteiligung der Bevölkerung führten laut Bericht zu einer deutlichen Verzögerung und zu Mehrkosten von über 1 Mio. Euro, die „in Kauf genommen werden“ mussten.
Der Ansatz zeigte Wirkung: Die Gemeinden setzten erstmals seit ihrer Gründung größere Bauprojekte weitgehend selbst um und wurden dadurch gestärkt. Die Einnahmen aus den Anlagen verbesserten ihre finanzielle Lage. Ohne das deutsche Geld wären die Bauten nach Angaben der Gemeinden nicht entstanden. Das Wartungshandbuch von 2020 war den befragten Gemeindevertretern wegen hohen Personalwechsels unbekannt, und das Wartungsbudget reicht nicht aus. Die Nachhaltigkeit gilt trotzdem als „noch gut“, weil die Gemeinden eine hohe Eigenverantwortung zeigen und Reparaturen nach Priorität durchführen. Die geplante Zufriedenheitsstudie wurde 2024 aus Kostengründen gestrichen. Geplant waren 7,50 Mio. Euro BMZ-Mittel, geflossen sind 9,10 Mio. Euro. Den Unterschied erklärt der Bericht mit 1,6 Mio. Euro aus Phase III, mit denen die Kostenerhöhung aufgefangen wurde. Das Gesamturteil lautet „eingeschränkt erfolgreich“.
Kritik
Für elf kleine Bauten in Sambia gab das BMZ 9,10 Mio. Euro als Zuschuss, und rund ein Viertel der Projektkosten ging an Berater. Das ist auch nach dem Urteil der KfW zu viel, selbst wenn eine längere Laufzeit für den Lerneffekt in den Gemeinden bewusst in Kauf genommen wurde. Für jedes Projekt waren Analysen zu Bedarf, Kosten und Kostendeckung vorgesehen. Sie fehlten oder waren unzureichend, und weder Gemeinden noch Task Force forderten sie hinreichend ein. Bei einem Markt und einem Gemeindezentrum wurde der Bedarf falsch eingeschätzt, was sich laut Bericht so vielleicht hätte vermeiden lassen. In Chikankata kommen falsch geplante Abwassertanks hinzu. Verträge in Euro hätten der Belastung durch Inflation und Abwertung entgegenwirken können, wie der Bericht selbst einräumt. Ebenso hätte die vom Consultant empfohlene Beschränkung auf leistungsfähigere Baufirmen geholfen. Gute Bauqualität, zufriedene Nutzer an den meisten Standorten, höhere Einnahmen und gestärkte Gemeinden zeigen, dass das Vorhaben nicht gescheitert ist. Sie ändern aber nichts daran: Bedarf, Wartung und Währungsrisiken müssen vor dem ersten Spatenstich geklärt sein, nicht erst durch Geld, das später aus einer anderen Phase umgewidmet wird.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2025. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200666313.