Staatsbilanz

Ausland/Sambia

Wasserwerk läuft auf 29 Prozent

Für 5,7 Mio. Euro Zuschuss erhielt die sambische Kleinstadt Katete ein Wassersystem, das laut Bericht nach über fünf Jahren Betrieb gerade 29 Prozent seiner Kapazität nutzt.

Was ist passiert?

In der Ostprovinz Sambias wachsen die Kleinstädte schnell, die Wasserversorgung hielt damit nicht Schritt. Das BMZ bezahlte deshalb mit 5,7 Mio. Euro als Zuschuss die dritte Phase eines Programms, das vor allem das Wassernetz der Distriktstadt Katete instand setzte und erweiterte. Seit 2016 fließt dort rund um die Uhr sauberes Wasser, 77 Prozent der Bevölkerung im Versorgungsgebiet beziehen es über einen Hausanschluss, 9 Prozent über Kioske. Die Anlage selbst ist aber nur zu einem Bruchteil ausgelastet.

Die Auslegung stammte von 2007. Bis zur Inbetriebnahme verging erheblich mehr Zeit als geplant, aktualisiert wurde die Planung dennoch nicht, obwohl der prognostizierte Bedarf laut Bericht nach unten hätte korrigiert werden müssen. Heute produziert die Anlage 1.144 m³ am Tag, laut Bericht „gerade mal 29 % der Auslegungskapazität“. Gebaut wurde also für rund 3.900 m³ täglich (1.144 geteilt durch 0,29). Der Grund: Nahezu jedes Haus im besichtigten Wohngebiet hat einen eigenen Brunnen, dessen Wasser billiger ist. Der statistische Verbrauch aus dem Netz liegt im Schnitt unter 20 Litern pro Kopf und Tag. Eine Kampagne für sauberes Trinkwasser fand vor und während der Umsetzung nicht oder nicht ausreichend statt. Inzwischen führen EWSC und die lokalen Gesundheitsbehörden laut Bericht regelmäßig Sensibilisierungskampagnen durch, oft verbunden mit Tests des Brunnenwassers, nach denen bei Verkeimung ein Hausanschluss empfohlen wird.

Die neun Wasserkioske öffnen mangels Nachfrage nur in der Trockenzeit, höchstens vier Monate im Jahr. An die sanierten Klärteiche ist nur eine Schule angeschlossen, eine Zufahrt für Entleerungsfahrzeuge wurde nicht vorgesehen. Einige Demonstrationstoiletten werden nicht oder nicht regelmäßig genutzt. Die Wasserverluste sanken zwar von über 50 Prozent, lagen im vierten Betriebsjahr aber noch bei 38 Prozent, Ziel waren unter 30 Prozent. Die Ausrüstung zur Lecksuche „scheint nicht mehr auffindbar“.

Der Betreiber EWSC war 2020 mit negativem Eigenkapital faktisch insolvent. Tariferhöhungen lehnte die Regulierungsbehörde aus politischen Gründen ab, staatliche Mittel kamen kaum. Insgesamt deckt EWSC nur 63 Prozent der Betriebskosten, was der Betreiber vor allem auf das marode Netz in Chipata zurückführt. In Katete allein sind es 111 Prozent. Dort bewertet der Bericht Betrieb und Wartung als gut, die Gebühren werden zu 97 Prozent eingetrieben.

Fünf der acht Zielindikatoren wurden erfüllt, darunter Verfügbarkeit, Wasserzähler, Anschlussgrad und Wasserqualität. Die KfW verweist zudem auf die sehr hohe Wertschätzung bei knapp 20.000 versorgten Menschen und auf anekdotische Hinweise auf weniger Durchfallerkrankungen. Die Investition von rund 200 Euro pro Kopf sei wegen der verstreuten Siedlung nur etwas erhöht, die 2,5 Jahre Verzögerung noch vertretbar. Ihr Gesamturteil lautete dennoch „eher nicht erfolgreich“.

Kritik

Hier wurde eine Anlage nach einer Bedarfsprognose von 2007 gebaut, die laut Bericht nach unten hätte korrigiert werden müssen, obwohl die lange Verzögerung Zeit genug dafür gelassen hätte. Wer in einer Stadt voller privater Brunnen plant, muss realistische Verbrauchswerte ansetzen und die Bevölkerung schon vor und während des Baus für sauberes Leitungswasser gewinnen, nicht erst danach. Dass die meisten Haushalte angeschlossen sind und der Betrieb vor Ort gut läuft, ändert nichts daran, dass Klärteiche ohne Zufahrt und Kioske, die mindestens acht Monate im Jahr geschlossen sind, an der Nutzung vorbei geplant wurden. Bevor weiteres Geld an einen faktisch insolventen Betreiber fließt, müssen tragfähige Tarife und ein Plan gegen die Wasserverluste stehen.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2022. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-201165869.

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