31 Millionen für ein Lager, das kaum läuft
In Serbien finanzierte das BMZ ein Kohlelager für rund 31 Mio. Euro, dessen vorgeschaltete Brecher nur ca. 15 % ihrer Auslegungskapazität schaffen.
Was ist passiert?
In Serbien fördert der Tagebau Kolubara Braunkohle für die Kraftwerke des staatlichen Versorgers Elektroprivreda Srbije. Die Kohle ist sehr ungleich, ihr Heizwert schwankt zwischen 9.000 und unter 5.000 kJ/kg. Die Kraftwerke Nikola Tesla A und B sind aber auf 6.700 kJ/kg ausgelegt. Ist die Kohle schlechter, muss Schweröl zugefeuert werden. Das BMZ stellte über die KfW 74,0 Mio. Euro bereit, als Darlehen und Zuschuss. Damit wurden ein Absetzer, ein Kohlequalitätsmanagementsystem und ein Homogenisierungslager finanziert, das die Kohle gleichmäßig mischen sollte. Geplant war der Abschluss Ende 2015, fertig wurde das Vorhaben erst 2020.
Dann zeigte sich der Fehler. Die Kohlebrecher vor dem Lager waren nur auf den Mittelwert des Lehmanteils ausgelegt worden. Der tatsächliche Lehm verklebte die Hämmer, die Brecher mussten immer wieder von Hand gereinigt werden, und so lange stand das Lager still. Erreicht wurden ca. 15 % der Auslegungskapazität von 5.000 t/h. Von rund 50,8 Millionen Tonnen Kohle aus den Jahren 2021, 2022 und 2023 liefen nur rund 5,5 Millionen Tonnen über das Lager. Den Rest mischten die Arbeiter improvisiert direkt auf den Förderbändern, und das funktionierte.
Das Lager bewältigte also nur gut jede neunte Tonne (5,5 Millionen Tonnen geteilt durch 50,8 Millionen Tonnen ergibt rund 11 Prozent). Seine Infrastruktur kostete fast 31 Mio. Euro, über 40 % der deutschen Finanzierung. Auch das eigentliche Ziel wurde verfehlt. Statt höchstens 39.000 t Schweröl im Jahr verfeuerten die drei Kraftwerke zuletzt 80.375 t, mehr als doppelt so viel (80.375 geteilt durch 39.000).
Die KfW gab dem Vorhaben in ihrer Evaluierung von 2025 selbst die Note 4, für die Effizienz sogar eine 5. Den Ölverbrauch schreibt sie äußeren Faktoren zu, etwa der Mitverbrennung importierter Kohle. Für das Lager gilt diese Entschuldigung nicht. Hier hält die KfW selbst fest, dass dieselbe Wirkung mit rund 31 Mio. Euro weniger erreichbar gewesen wäre, und hält eine spätere Nutzung für eher unwahrscheinlich.
Kritik
Rund 31 Mio. Euro flossen in ein Lager, das wegen einer fehlerhaften Ausschreibung kaum genutzt wird und für das Ergebnis nicht gebraucht wurde. Die stark schwankende Beschaffenheit der Kolubara-Kohle war das bekannte Kernproblem des Vorhabens. Gerade deshalb hätte die Auslegung der Brecher auf einen bloßen Mittelwert vor der Vergabe auffallen müssen. Die Spezifikationen hätten gründlich geprüft und die Beschaffung über einen haftenden Generalunternehmer abgesichert werden müssen.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2025. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200665935, DE-1-201065648.