Staatsbilanz

Ausland/Vietnam

Kläranlagen für kaum belastetes Abwasser

Drei Kläranlagen in Vietnam kosteten weit mehr als geplant, und laut KfW trugen sie zur Lösung des Problems nicht in relevanter Weise bei

Was ist passiert?

Vinh liegt in Zentralvietnam, Bac Ninh und Hai Duong im Norden des Landes. In den drei Provinzstädten standen Viertel nach Regen regelmäßig unter Wasser, offene Kanäle und Teiche waren stark verschmutzt. Das BMZ finanzierte dort Kanalnetze, Pumpwerke, drei Kläranlagen und in Vinh eine Abfalldeponie. Laut Bericht flossen 30,4 Mio. Euro BMZ-Mittel statt geplanter 29,0 Mio. Euro.

Die Kanäle wirkten: Nach übereinstimmender Aussage aller Beteiligten gingen die Überschwemmungen weitgehend zurück. Auch die offenen innerstädtischen Gewässer wurden sauberer. In Hai Duong ist ihre Belastung laut Bericht signifikant reduziert und durch Analysedaten belegt, in Bac Ninh nur an einem Teil der Gewässer, in Vinh fehlen Messdaten. Die Kläranlagen dagegen hatten kaum etwas zu klären. Fäkalien landen in Sickergruben, deren Entleerung nicht geregelt ist, dazu verdünnt Fremdwasser das Abwasser. An allen drei Standorten erreicht das Wasser die angestrebte Qualität schon am Zulauf, in Vinh bis auf die abfiltrierbaren Stoffe, in Hai Duong bis auf den BSB5-Wert (105 statt 65 mg/l). Die KfW schreibt, dass „der Bau der drei Kläranlagen zur Problemlösung nicht in relevanter Weise beitragen konnte“. Die Vorrichtungen zum Entleeren von Saugwagen werden „nicht oder nur geringfügig genutzt“. Tertiärnetze und Hausanschlüsse gehörten nicht zum Vorhaben, eine Finanzierung der Tertiärnetze aus deutschen Mitteln lehnte die Partnerseite aus rechtlichen Gründen ab. In Vinh ist bis heute nur etwa die Hälfte der Bevölkerung angeschlossen.

In Vinh kam eine aufwendige Anlage mit biologischer Stufe und Desinfektion, nach Inbetriebnahme stand sie wegen Streit zwischen zwei Betreibern über längere Zeiträume still. Die Anlage in Hai Duong arbeitet dagegen rein mechanisch, Bac Ninh und Hai Duong bewertet der Bericht wegen der einfacheren Konzeption bei der Allokationseffizienz etwas besser. Die drei Kläranlagen waren mit 4,2 Mio. Euro geplant (1,3 plus 2,4 plus 0,5) und kosteten 10,6 Mio. Euro (4,7 plus 4,0 plus 1,9). Insgesamt stiegen die Kosten moderater: in Vinh um rd. 8 %, in Bac Ninh um 18 %, in Hai Duong um 35 %. Kanäle und Pumpwerke in Vinh kosteten 7,2 statt 10,1 Mio. Euro, die Deponie unterschritt ihre Plankosten um rund ein Viertel, das Ersparte floss in die Abwasserkomponente. Die Programme liefen statt geplanter 5,5 Jahre 10 Jahre (Vinh) bzw. 11 Jahre (Bac Ninh und Hai Duong).

Die Deponie leitet zu stark belastetes Sickerwasser in einen Fluss. In Vinh und Hai Duong erhalten die Betreiber nur 85 % bzw. 70 % der benötigten Mittel, Wartung wird aufgeschoben, erneute Überschwemmungen hält der Bericht für nicht ausgeschlossen. Die KfW verweist darauf, dass die strengen vietnamesischen Grenzwerte in Vinh zumindest die biologische Stufe erforderten. Gesamtnote: 4, nicht erfolgreich.

Kritik

Hier wurde viel Geld in Klärtechnik gesteckt, obwohl das eigentliche Problem in den Sickergruben und fehlenden Anschlüssen lag. Wer Kläranlagen baut, muss vorher prüfen, ob dort überhaupt nennenswert belastetes Abwasser ankommt. Statt der aufwendigen Anlage in Vinh hätten die geregelte Entleerung der Sickergruben und, gemeinsam mit den zuständigen Stadtvierteln, der Ausbau der Anschlüsse in den Mittelpunkt gehört, und die Betriebsbudgets hätten vor dem Bau gesichert werden müssen. So bleiben nützliche Abwasserkanäle, die Überschwemmungen und verschmutzte Gewässer reduzierten, und Kläranlagen, die mehr als doppelt so viel kosteten wie geplant und deren Nutzen der Bericht selbst bezweifelt.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2016. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200266569, DE-1-200266585.

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