449.110 Euro für Wachleute im Containerdorf
Bochum lässt sein Containerdorf für Geflüchtete in Stiepel jährlich für 449.110 Euro bewachen, obwohl nur 74 von 120 Plätzen belegt sind
Was ist passiert?
Im Stadtteil Stiepel hat die Stadt Bochum an der Kemnader Straße 437 eine Containerunterkunft für Geflüchtete errichtet. Sie ist für bis zu 120 Personen ausgelegt und ging am 1. April 2026 in Betrieb. Den Standort hatte der Rat im Dezember 2023 beschlossen, zunächst mit 750.000 Euro für die Detailplanung.
Im März 2024 stellte der Rat dann überplanmäßig 24,16 Mio. Euro für die Anschaffung multifunktionaler Modulbauten bereit. Gebaut wurde am Ende für deutlich weniger: Laut Verwaltung fielen 0,6 Mio. Euro für die Planung und 4,1 Mio. Euro für Bau und Inbetriebnahme an, zusammen 4,7 Mio. Euro. Der bereitgestellte Betrag war damit mehr als fünfmal so hoch wie die tatsächlichen Kosten (24,16 : 4,7 = 5,1). Ein Teil der Ausstattung stammt aus gebrauchten Materialien und Lagerbeständen. Neu gekauft wurden nur Bettwaren und Waschmaschinen für rund 10.000 Euro.
Die Belegung blieb hinter der Kapazität zurück: 57 Bewohner waren es am Starttag, 74 am 7. April. Das sind knapp 62 Prozent der 120 Plätze, 46 Plätze standen leer. Die Verwaltung rechnet für die ersten zwölf Monate im Schnitt mit etwa 75 Prozent, also rund 90 Personen.
Die laufenden Kosten sind hochgerechnet 784.757 Euro im Jahr. Den größten Posten bildet der Sicherheitsdienst mit 37.425 Euro im Monat, das sind 449.110 Euro im Jahr. Er kostet damit mehr als die Betreuung mit 332.640 Euro. Bei 74 Bewohnern ergeben sich allein für den Wachdienst rund 6.070 Euro je Bewohner und Jahr (449.110 : 74).
Die Verwaltung hält die Kapazität für bedarfsgerecht. Die Stadt müsse kurzfristig verfügbare Plätze vorhalten, zudem erfolgten weiter Zuweisungen. Zugleich meldet sie, dass die Aufnahmeverpflichtung zum 30. April 2026 zu 99,14 Prozent erfüllt war und noch 50 Personen offen waren. Die anrechenbaren Plätze sollen von 1.540 auf 1.400 sinken.
Kritik
Eine Reserve an Plätzen ist vertretbar, aber hier wurde sie für 120 Personen angelegt, während die Stadt ihre Verpflichtung fast vollständig erfüllt hatte und knapp 40 Prozent der Plätze leer blieben. Ein Wachdienst von 449.110 Euro im Jahr steht in keinem guten Verhältnis zu 74 Bewohnern, zumal die Betreuung weniger kostet. Die Stadt hätte die Anlage in Stufen aufbauen und die Sicherheitsleistungen an die tatsächliche Belegung koppeln sollen. Dem Rat wurde ein Betrag von 24,16 Mio. Euro vorgelegt, der mehr als das Fünffache der tatsächlichen Kosten betrug. Für eine so große Abweichung braucht es eine belastbarere Kalkulation.
20261241: Containerunterkunft Kemnader Straße 437 in Bochum-Stiepel: Beschlussgrundlage, Kostenentwicklung und aktuelle Bedarfslage, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 18. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.