13 Millionen Euro für Werbung gegen Essensmüll
Das Agrarministerium des Bundes gab bis 2022 rund 13 Millionen Euro für eine Kampagne gegen Lebensmittelmüll aus, ob sie wirkt, weiß niemand
Was ist passiert?
Rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle fielen 2022 in Deutschland an, knapp 60 Prozent davon in privaten Haushalten. Seit 2012 will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Bürger mit der Informationskampagne „Zu gut für die Tonne“ dazu bringen, weniger Essbares wegzuwerfen. Bis 2022 flossen 13,18 Mio. Euro in die Kampagne, rechnerisch rund 1,2 Mio. Euro pro Jahr (13,18 Mio. Euro geteilt durch elf Jahre).
Ob das Geld etwas bewirkt hat, weiß niemand. Schon 2014 konnte das Ministerium dem Bundesrechnungshof nicht nachweisen, dass weniger Lebensmittel im Müll landeten. Die Prüfer rieten damals, die Kampagne nicht fortzuführen. 2016 folgte eine förmliche Beanstandung, und der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages verlangte 2017 messbare Erfolgskriterien. Das Ministerium machte weiter.
2019 lieferte es Ziele nach und meldete prompt Vollzug: 5 Prozent mehr Medienberichte, 10 Prozent mehr Besucher auf der Kampagnenseite. Ein Seitenaufruf ist allerdings noch kein gerettetes Brot. Bald darauf ließ das Ministerium auch diese Ziele wieder fallen. Ende 2022 setzte es sich zahlreiche neue, die entweder nicht messbar waren oder bei denen „starre Zielvorgaben nicht möglich“ seien. Eine Messung vor und nach den Aktionen galt als zu aufwendig.
Die Abfallstatistik macht wenig Mut. Von 2020 bis 2022 sanken die gemeldeten Lebensmittelabfälle von 10,92 auf 10,78 Millionen Tonnen, also um 0,14 Millionen Tonnen. Für die angestrebte Halbierung bis 2030 wären im Schnitt 0,5 Millionen Tonnen pro Jahr nötig, in zwei Jahren also 1 Million Tonnen. Erreicht wurde damit rund ein Siebtel des nötigen Tempos.
Im Prüfverfahren erklärte das Ministerium, seit 2024 gebe es wieder messbare Ziele für die Kommunikation. Von Maßnahmen auf weniger Abfall zu schließen, bleibe aber schwierig. Eine weitere Evaluation soll den Erfolg nun klären. Der Bundesrechnungshof hielt im November 2025 fest, dass auch die neuen Ziele keine Aussage über Verhaltensänderungen erlauben, und verlangte, die Agenturkosten bis zu einem Nachweis auf ein Minimum zu senken.
Kritik
Wer elf Jahre lang Steuergeld in eine Kampagne steckt, muss sagen können, ob sie wirkt. Das Ministerium hat zwei Rügen und eine Aufforderung des Bundestages ausgesessen und seine Ziele lieber ausgetauscht als erreicht. Medienberichte und Seitenaufrufe sind kein Erfolg, solange niemand weiß, ob weniger Lebensmittel im Müll landen. Bis ein belastbarer Wirkungsnachweis vorliegt, gehört die Kampagne auf Sparflamme und die Agenturausgaben gehören auf das Nötigste.
Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (insbesondere Kapiel 1002 Titel 684 04) - Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung, Bundesrechnungshof, 26. November 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.