Arbeitsagentur: Software spart weniger, als sie kostet
Die Bundesagentur für Arbeit zahlte 17 Mio. Euro für ein Programm, das gemeldete Stellen automatisch erfasst, und spart wohl nur 16 Mio. Euro
Was ist passiert?
Arbeitgeber melden der Bundesagentur für Arbeit ihre offenen Stellen, deren Beschäftigte übertragen die Angebote anschließend in eine Datenbank. Seit 2023 soll ihnen dabei das IT-System ADEST helfen, das Stellenangebote mithilfe maschinellen Lernens automatisch übernimmt. Die Bundesagentur, deren IT-Ausgaben 2026 knapp 1 Mrd. Euro erreichen sollen, versprach sich davon Einsparungen von knapp 30 Mio. Euro.
Die Rechnung hatte allerdings einen Haken. Die Planer unterstellten, dass jedes Stellenangebot bis dahin vollständig von Hand erfasst wurde. Das war schon vor ADEST nicht der Fall. Entsprechend selten griffen die Beschäftigten zu dem neuen System. Inzwischen rechnet die Bundesagentur nur noch mit 16 Mio. Euro Einsparung. Für die Entwicklung allein hat sie bereits 17 Mio. Euro ausgegeben. Auf jeden investierten Euro kommen damit rund 94 Cent erwartete Ersparnis (16 Mio. Euro geteilt durch 17 Mio. Euro).
Nach dem Urteil des Bundesrechnungshofes ist ADEST kein Ausrutscher. Für das System YouConnect, über das Arbeitsagenturen, Jobcenter und Jugendämter seit 2021 Daten austauschen können, plante die Bundesagentur über 60 Mio. Euro für Entwicklung und Betrieb ein. Im Jahr 2024 nutzte es jedoch nur jede fünfte der 367 Jugendberufsagenturen. Viele hatten nach eigenen Angaben nie Bedarf, weil der Austausch vor Ort längst funktionierte. Bei rund 73 Nutzern entfallen auf jeden etwa 820.000 Euro der eingeplanten Mittel (60 Mio. Euro geteilt durch 73). Beim Nachfolger für die Sachbearbeitungssoftware COSACH vergingen mehr als sieben Jahre, bis überhaupt eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorlag. Allein deren Vorbereitung kostete über 10 Mio. Euro, weitere 12 Mio. Euro sind bis 2030 eingeplant, um das alte System am Laufen zu halten.
Die Bundesagentur räumte ein, dass Bedarf und Alternativen nicht durchgängig sauber geprüft wurden, und verweist auf neue Mindeststandards. Der Rechnungshof nennt die Mängel dagegen systemimmanent.
Kritik
Wer eine Software zum Sparen baut, muss vorher wissen, wie die Arbeit tatsächlich erledigt wird. Ein Blick in die Abläufe hätte gezeigt, dass das Einsparpotenzial von ADEST nur rund halb so groß ist wie angenommen, und das bevor 17 Mio. Euro in die Entwicklung flossen. Dass sich das Muster bei YouConnect und COSACH wiederholt, macht aus Einzelfehlern ein Versäumnis der Bundesagentur selbst. Neue Checklisten helfen nur, wenn künftig vor dem ersten Auftrag gerechnet wird und nicht erst danach.
Bemerkungen 2025 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes, Bundesrechnungshof, 28. April 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.