Bauernbank des Bundes geht ins Risiko
Die Rentenbank, die Kredite für Landwirte gibt und für deren Schulden der Bund haftet, steckt 108,5 Mio. Euro in riskante Fonds für junge Firmen
Was ist passiert?
Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist seit 1949 die Förderbank der Agrarwirtschaft. Ihr Kerngeschäft ist unspektakulär: Sie refinanziert zweckgebundene Darlehen, die Landwirte über ihre Hausbank erhalten. Für die Verbindlichkeiten der Bank haftet der Bund, zeitlich und betragsmäßig unbegrenzt und ohne dafür eine Vergütung zu bekommen. Die Rechtsaufsicht führt das Bundeslandwirtschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Bundesfinanzministerium.
Dieses Kerngeschäft schrumpft. Das Volumen der Programmkredite sank von 7,8 Mrd. Euro im Jahr 2015 auf 3,6 Mrd. Euro im Jahr 2024. Statt sich zu bescheiden, will die Bank bis 2028 zur „bedeutenden Playerin, Initiatorin, Gestalterin und Netzwerkerin“ werden. Ein Baustein dieser Neuerfindung ist Venture Capital.
Seit 2022 steckt die Rentenbank Geld in Wagniskapitalfonds, die junge Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft finanzieren. Bis Ende 2024 hatte sie elf Fonds Zusagen über 108,5 Mio. Euro gegeben, im Schnitt also knapp 10 Mio. Euro je Fonds (108,5 Mio. Euro geteilt durch 11). Ein eigenes Regelwerk für das neue Geschäft gibt es zwar. Welche Risiken bestehen und wie man aus einem Engagement wieder herauskommt, steht darin allerdings nicht. Selbst der Risikoausschuss des eigenen Verwaltungsrats spricht von einer Abkehr vom bisher risikoarmen Profil der Bank.
Die Bank sieht darin kein Problem, sondern ihren Förderauftrag. Um als „stetiger Kapitalgeber“ aufzutreten und die Risiken zu streuen, müsse man sich laufend an weiteren Fonds beteiligen. Perspektivisch sollen sogar eigene Fonds aufgelegt werden. Gegen das Risiko vieler Wetten hilft nach dieser Logik also, noch mehr Wetten einzugehen.
Der Bundesrechnungshof sieht für die neuen Aufgaben, die sich die Bank mit ihrem Umbau selbst gibt, weder einen Bedarf noch eine Rechtsgrundlage. Er hat empfohlen, das Wagnisgeschäft nicht weiter auszuweiten und vor allem auf eigene Fonds zu verzichten. Die Bank hält dagegen an ihrem Kurs fest.
Kritik
Eine Förderbank, für deren Schulden der Bund unbegrenzt geradesteht, gehört nicht ins Wagniskapitalgeschäft. 108,5 Mio. Euro für elf Fonds, ohne Regeln für Risiken und Ausstieg, sind keine Förderung mit Augenmaß, sondern eine Wette auf Rechnung der Allgemeinheit. Statt ein schrumpfendes Kerngeschäft durch neue Spielfelder zu ersetzen, hätte sich die Rentenbank auf ihren gesetzlichen Auftrag besinnen müssen. Die aufsichtführenden Ministerien sollten die Ausweitung stoppen, bevor auch noch eigene Fonds hinzukommen.
Haushalts- und Wirtschaftsführung einschließlich der Jahresrechnung 2023 der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Bundesrechnungshof, 26. Februar 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.