Bund finanziert Herzzentrum mit Planfehlern
Der Bund gibt 100 Mio. Euro für das Herzzentrum in Berlin, doch im digitalen Bauplan schweben Anlagen 80 Meter über dem Dach
Was ist passiert?
Auf dem Campus Virchow-Klinikum im Wedding soll bis 2028 der Neubau des Deutschen Herzzentrums an der Charité entstehen. Geplant sind ein Turm mit 17 Obergeschossen und Hubschrauberlandeplatz, ein breiter Sockelbau, 320 Betten und elf Operationsräume. Das Haus soll eine „Digitale Modellklinik“ werden und wird deshalb nach der BIM-Methode geplant: Jedes Bauteil steckt in einem gemeinsamen digitalen Modell. Genehmigt sind Kosten von 521,0 Mio. Euro. Der Bund gibt über das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt einen Festbetrag von 100 Mio. Euro, das Land Berlin trägt den Großteil.
Der Bundesrechnungshof hat sich das Modell angesehen, das die Charité bereits als Grundlage für die Ausführungsplanung freigegeben hatte. Nach der vertraglich vereinbarten Richtlinie braucht jedes Bauteil eine eigene Kennung. In den vier untersuchten Fachmodellen fehlte sie bei rund 156.000 von 359.400 Bauteilen, also bei gut 43 Prozent. Im Elektromodell waren es sogar 87 Prozent, manche Kennung tauchte bis zu achtmal auf. Beim virtuellen Rundgang schwebten Anlagen zur Wasseraufbereitung bis zu 80 Meter über dem Dach des Turms, in der Eingangshalle hingen Leuchten im Nichts, ein Rohr querte frei den Raum.
Eine bloße Schönheitsfrage ist das nicht. Aus dem Modell werden Mengen und Kosten berechnet, es bildet die Basis der Ausschreibung. Prüfen sollte es der BIM-Manager. Der ist allerdings zugleich Projektsteuerer und damit für Kosten und Termine zuständig. Die Richtlinie empfiehlt, beide Rollen zu trennen.
Das Ministerium verwies auf einen Exportfehler und eine neuere Auswertung mit deutlich weniger Doppelkennungen. Die schwebenden Bauteile will die Charité aus Termingründen erst nach Übergabe der Ausschreibungsplanung korrigieren. Eine Trennung der Rollen lehnt sie ab, weil sie Wissen, Geld und Zeit koste. Ob die Fehler am Ende Nachträge auslösen, war zum Zeitpunkt der Prüfung offen.
Kritik
Wer 100 Mio. Euro in einen Neubau gibt, muss darauf bestehen, dass die Planung stimmt, auf der Mengen, Kosten und Ausschreibung beruhen. Ein Modell voller Doppelkennungen und frei schwebender Anlagen hätte nicht freigegeben werden dürfen, und Fehler erst nach der Ausschreibung zu beheben, lädt zu teuren Nachträgen ein. Wer Kosten und Termine verantwortet, sollte nicht zugleich die Qualität des Modells abnehmen, deshalb hätte die Charité beide Aufgaben von Beginn an trennen müssen. Das Ministerium sollte als Geldgeber auf eine Korrektur drängen, statt die Begründungen der Charité weiterzureichen.
Zuschüsse für die Baumaßnahme Deutsches Herzzentrum an der Charité Berlin: Teil 1: Digitale Planungsmethode (Kapitel 3004 Titel 894 73), Bundesrechnungshof, 20. Mai 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.