Staatsbilanz

Bund/Weitere/Fehlender Bedarf

Bund fördert Handwerker, die ohnehin kommen

Der Bund verzichtet jährlich auf 1,1 Mrd. Euro Steuern für Handwerkerrechnungen, obwohl laut Gutachten 9 von 10 Aufträgen auch so kämen

Was ist passiert?

Wer den Maler bestellt, die Heizung warten oder das Bad renovieren lässt, kann seit 2006 einen Teil der Handwerkerrechnung von der Einkommensteuer abziehen: 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Der Steuervorteil soll Schwarzarbeit zurückdrängen und Handwerk wie Mittelstand stärken. So steht es zumindest in der Begründung.

Ob die Rechnung aufgeht, ließ der Bund prüfen, und zwar gleich zweimal. Die Gutachter kamen 2009 und 2013 zum selben Ergebnis. Rund 90 Prozent der Förderung seien Mitnahmeeffekte. Das Geld fließt also überwiegend an Haushalte, die den Handwerker auch ohne Steuervorteil gerufen hätten. Wie stark die Schwarzarbeit sinke, lasse sich kaum beziffern. Auf Beschäftigung und Umsatz im Handwerk seien keine oder kaum messbare Auswirkungen festzustellen. Beide Gutachten empfahlen, die Vergünstigung abzuschaffen. 2024 kam eine weitere Stimme hinzu: Die vom Bundesfinanzministerium selbst eingesetzte Expertenkommission „Bürgernahe Einkommensteuer“ forderte ebenfalls das Aus.

Die Bundesregierung ließ sich davon nicht beirren. Der Bonus besteht fort und kostet den Bund 1,1 Mrd. Euro an Steuereinnahmen im Jahr. Legt man die Mitnahmequote der Gutachter zugrunde, landen davon rund 990 Mio. Euro jährlich (1,1 Mrd. Euro mal 90 Prozent) bei Aufträgen, die ohnehin vergeben worden wären. Der Bundesrechnungshof führt den Fall in seinem Bericht vom Juli 2026 als Beispiel dafür an, dass belegt unwirksame Subventionen einfach weiterlaufen.

Der Fall steht nicht allein. Das Subventionsvolumen des Bundes ist von 26,8 Mrd. Euro im Jahr 2019 auf rund 77,8 Mrd. Euro im Jahr 2026 gestiegen und hat sich damit fast verdreifacht.

Anfang Juli 2026 kündigte die Regierungskoalition immerhin an, den Abzug von 20 auf 15 Prozent zu senken, höchstens 900 Euro im Jahr. Abgeschafft werden soll der Bonus nicht. Eine Förderung, die zu neun Zehnteln verpufft, wird so kleiner, aber nicht treffsicherer. Ob die Kürzung tatsächlich kommt, ist offen.

Kritik

Drei Gutachten in 15 Jahren, darunter eines der eigenen Expertenkommission des Finanzministeriums, haben dem Handwerkerbonus die Wirkung abgesprochen. Wer trotzdem jährlich 1,1 Mrd. Euro dafür aufwendet, finanziert vor allem Rechnungen, die ohnehin bezahlt worden wären. Eine Kürzung des Satzes ändert daran nichts, sie macht die Mitnahme nur etwas billiger. Der Bund hätte die Vergünstigung spätestens nach dem zweiten Gutachten 2013 streichen müssen und sollte das nun im Haushalt 2027 nachholen.

Subventionen verdreifacht: enormes Einsparpotenzial noch nicht genutzt, Bundesrechnungshof, 15. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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