Bund fördert Professuren, die es schon gab
Der Bund gibt bis zu 1 Mrd. Euro für Professuren mit Aussicht auf Dauerstelle, die 53 deutsche Universitäten längst eingeführt hatten
Was ist passiert?
Wer in Deutschland Professor werden will, geht traditionell über die Habilitation und erfährt oft erst nach dem 40. Geburtstag, ob es mit einer Lebenszeitstelle klappt. Die Tenure-Track-Professur soll das ändern: Sie ist zunächst befristet und wird nach erfolgreicher Bewährung ohne neues Berufungsverfahren unbefristet. Um diesen Karriereweg bundesweit zu verankern, will der Bund bis 2032 bis zu 1 Mrd. Euro bereitstellen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt bewilligte 2017 und 2019 insgesamt 1.000 Professuren an 75 Universitäten. Je Stelle fließen jährlich 118.045 Euro.
Allerdings war der Weg so neu nicht. Ende 2016, also vor dem Programmstart, hatten 53 Universitäten bereits 300 Tenure-Track-Professuren eingerichtet, Stuttgart etwa seit 2006, Bonn seit 2009. In einem Land gab es schon mehr als 157 solcher Stellen. Der Bund bewilligte dort 152 weitere. Den tatsächlichen Bedarf hatte das Ministerium vorab nicht ermittelt. Es verweist darauf, ausschließlich zusätzliche Stellen gefördert zu haben, und ein flächendeckender Wandel gelinge eben nur mit allen Universitäten.
In jeder Pauschale steckt zudem ein „Strategieaufschlag“ von 15.379 Euro je Professur und Jahr, gedacht für Kulturwandel und neue Personalstrukturen. Die Universitäten bezahlten davon vor allem Verwaltung, etwa Koordinatorenstellen für das Programm. Bei 909 besetzten Professuren im November 2024 sind das rund 14 Mio. Euro im Jahr (909 mal 15.379 Euro).
Auch beim Haushalt nahm es das Ministerium nicht genau. 29 bewilligte Stellen wurden nie besetzt, über die Laufzeit entfallen dadurch 27 Mio. Euro. Trotzdem erklärte das Ministerium im September 2024, die veranschlagten 121,5 Mio. Euro würden vollständig abfließen. Am Jahresende waren es 102,6 Mio. Euro, knapp 19 Mio. Euro weniger. Für 2025 standen erneut 121,4 Mio. Euro im Entwurf, obwohl der eigene Projektträger nur 109,6 Mio. Euro erwartete. Unbesetzte Stellen meldeten Universitäten oft verspätet und erhielten so Geld, das ihnen nicht zustand. Das Ministerium hat zugesagt, den Ansatz künftig zu senken und Überzahlungen verzinst zurückzufordern.
Kritik
Wer eine Milliarde Euro verteilt, muss vorher wissen, wo das Geld überhaupt etwas bewirkt. Universitäten, die den neuen Karriereweg seit Jahren aus eigenem Antrieb gingen, brauchten keinen Anstoß aus Berlin, und das Hochschulpersonal ist ohnehin Sache der Länder. Ein Etat, der Jahr für Jahr Millionen über dem absehbaren Bedarf liegt, ist keine Vorsorge, sondern eine Reserve, die an anderer Stelle fehlt. Die Zusagen zu Rückforderungen und niedrigeren Ansätzen müssen jetzt auch umgesetzt werden.
Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses - Einzelplan 30 - Kapitel 3003 Titel 685 14, Bundesrechnungshof, 17. Juni 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.