Staatsbilanz

Bund/Verteidigung/Fehlplanung

Bundeswehr-Container für 250 Euro pro Nacht

Die Bundeswehr zahlt in Emden 33 Millionen Euro Miete für Wohncontainer für Soldaten, 250 Euro pro Nacht statt sonst 55 Euro

Was ist passiert?

Die vier Fregatten der Klasse 123 fahren seit Anfang der 1990er Jahre für die Marine und werden seit Dezember 2022 von Grund auf modernisiert. Ihr Heimathafen ist Wilhelmshaven. Die Arbeiten laufen aber in einer Emdener Werft, weil der beauftragte Generalunternehmer in Wilhelmshaven keine Werftkapazität bekam. An Bord kann während des Umbaus niemand schlafen, eine Bundeswehrunterkunft gibt es in Emden nicht. Ein Teil der Besatzung muss trotzdem vor Ort sein, um die Schiffe zu bewachen und die Arbeiten der Werft zu überwachen.

Im Juni 2022 ermittelte das Beschaffungsamt der Bundeswehr einen Bedarf von 175 zusätzlichen Unterkünften. Statt sie wie üblich öffentlich auszuschreiben, beauftragte es kurzerhand den Generalunternehmer, ein Containerdorf auf das Werftgelände zu stellen. Das sollte Zeit sparen. Die Bundeswehrstelle, die solche Unterbringungen sonst organisiert, wurde gar nicht erst gefragt.

Gespart wurde am Ende weder Zeit noch Geld. Zugesagt war die Unterkunft für Februar 2023, bezugsfertig war sie im Frühjahr 2025. Über zwei Jahre saßen Soldaten deshalb täglich drei bis vier Stunden im Bus zwischen Wilhelmshaven und Emden. Die zuständige Bundeswehrstelle hatte vergleichbare Containerdörfer in vier bis zehn Wochen bereitgestellt.

Für rund dreieinhalb Jahre Miete erhält der Generalunternehmer rund 33 Mio. Euro. Bei erwarteten 100 Bewohnern kostet eine Nacht im Container damit etwa 250 Euro pro Person. Andere Containerdörfer mietete die Bundeswehr für rund 55 Euro, ein Emdener Hotel hätte 40 Euro verlangt, allerdings ohne Büro- und Lagerflächen. Gebaut und betrieben wird das Dorf ohnehin nicht vom Generalunternehmer, sondern vom Unterauftragnehmer eines Unterauftragnehmers eines Unterauftragnehmers. Jede Stufe schlug etwas auf, zusammen rund 9 Mio. Euro. Das Beschaffungsamt hielt das Angebot für „angemessen“.

Beim Essen setzte sich das Muster fort: 115 Euro pro Person und Tag statt der sonst üblichen höchstens 42 Euro. Diesen Vertrag hat das Verteidigungsministerium inzwischen gekündigt, nun kocht eine Truppenküche. Die Verspätung führt das Ministerium auf Auflagen für Brand- und Umweltschutz zurück. Für zwei Jahre ist das eine reichlich dünne Erklärung.

Kritik

Wer eine Unterkunft für dreieinhalb Jahre und Millionen Euro bestellt, muss Angebote vergleichen und den Auftrag in den Wettbewerb geben. Das Beschaffungsamt hat beides unterlassen und die eigenen Fachleute der Bundeswehr übergangen. Das Ergebnis ist ein Containerdorf zum fast fünffachen Preis, das über zwei Jahre zu spät fertig wurde. Unterbringung und Verpflegung hätten getrennt ausgeschrieben gehört, eine Kette von Subunternehmern mit Aufschlägen auf jeder Stufe darf der Steuerzahler nicht finanzieren müssen.

Bemerkungen 2025: Unterbringung von Besatzungen während Modernisierung von Schiffen viel zu teuer (Nr. 13), Bundesrechnungshof, 10. Dezember 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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