Tablets ohne WLAN in Bundeswehrkliniken
Die Bundeswehr braucht 15 statt 7 Jahre, um ihre Krankenhäuser in Berlin, Hamburg, Koblenz und Ulm zu verkabeln, Tablets sind längst bestellt
Was ist passiert?
Die Bundeswehr betreibt vier eigene Krankenhäuser, in Berlin, Hamburg, Koblenz und Ulm. Dort hielt das medizinische Personal Patientendaten vielfach noch handschriftlich auf Papier fest. Im Jahr 2015 beschloss die Bundeswehr, das zu ändern. Moderne Medizingeräte und Tablets sollten Daten per WLAN direkt an zentrale Server schicken, Laborbefunde und Medikationspläne sollten am Krankenbett abrufbar sein.
Die Reihenfolge war eigentlich einfach: erst Kabel in die Gebäude, dann Router und Access Points, dann die Geräte. Trotzdem beauftragte die Bundeswehr ihren IT-Dienstleister schon 2021, ab dem Jahr 2022 Tablets zu liefern und im WLAN zu betreiben. Bis dahin, so die Annahme, seien die Häuser verkabelt.
Sie waren es nicht. Im Jahr 2025 hatte keines der vier Krankenhäuser eine ausreichende Datenverkabelung, WLAN lief nur in vereinzelten Bereichen. Der Dienstleister kann die beauftragten Leistungen nicht vollständig erbringen, und das Personal überträgt die Daten weiter von Hand, zeitraubend und fehleranfällig. Das Verteidigungsministerium verweist auf den laufenden Klinikbetrieb, ausgelastete Bauverwaltungen und säumige Bauunternehmen. Dass in einem Krankenhaus auch während der Bauarbeiten Patienten liegen, hätte man allerdings schon 2015 wissen können. Sieben Jahre nach Projektstart stellte die Bundeswehr fest, dass die Arbeiten schwieriger sind als gedacht.
Erst 2025 richtete sie für jedes Haus ein Team ein, das ab 2026 Bauverwaltung und IT-Dienstleister zusammenbringen soll. Neues Zieldatum: 2030. Ursprünglich waren von 2015 bis 2022 sieben Jahre vorgesehen, nun werden es 15. Die Verkabelung dauert damit mehr als doppelt so lange wie geplant. Der Tablet-Auftrag läuft seit 2022, ein flächendeckendes Netz für die Geräte soll es frühestens acht Jahre später geben. Auf die Wirkung eines eigens eingerichteten Beschleunigungsausschusses will das Ministerium erst noch Erfahrungen sammeln.
Kritik
Wer Tablets und deren Betrieb bestellt, bevor ein einziges Krankenhaus verkabelt ist, beauftragt eine Leistung für ein Netz, das es nicht gibt. Die Abstimmung mit Bauverwaltungen und Klinikbetrieb hätte am Anfang des Projekts stehen müssen, nicht nach zehn Jahren. Kabel zu verlegen ist eine überschaubare Bauaufgabe, auch im laufenden Betrieb, und darf nicht 15 Jahre dauern. Bis dahin bindet die Handarbeit am Krankenbett teures medizinisches Personal, das für die Patienten gebraucht wird.
Bemerkungen 2025: Fehlendes WLAN bremst Digitalisierung der Bundeswehrkrankenhäuser (Nr. 26), Bundesrechnungshof, 28. April 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.