Bundeswehr setzt teure Soldaten an Schreibtische
Ein Bundesamt der Bundeswehr lässt 484 Bürojobs von Soldaten erledigen, die je Arbeitsstunde 37 Prozent mehr kosten als Beamte
Was ist passiert?
Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr ist eine zivile Bundesoberbehörde. Es kümmert sich um Finanzen, Controlling, Infrastruktur und gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr. Soldaten werden eigentlich in den Streitkräften gebraucht. Die sollen bis 2035 auf bis zu 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten wachsen, im Dezember 2025 waren es 184.000.
Im Bundesamt waren im August 2025 dennoch 484 von 3.913 Dienstposten für Soldaten vorgesehen. Bei der Gründung 2012 waren es 376. Zum Teil erklärt sich der Zuwachs dadurch, dass 2024 37 militärische Dienstposten aus anderen Dienststellen hinzukamen. Schon 2017 gab das Verteidigungsministerium das Ziel aus, militärische Dienstposten durch zivile zu ersetzen. Bis Ende 2025 wandelte das Amt ganze zwölf um. Das sind 2,5 Prozent der heutigen 484 Posten, im Schnitt gut einer pro Jahr.
Der Bundesrechnungshof stieß auf zahlreiche militärische Dienstposten mit allgemeinen Führungs- und Verwaltungsaufgaben. Bei manchen sind die Aufgaben identisch mit denen ziviler Posten. Besonders anschaulich ist ein Fall aus dem Jahr 2024. Das Amt wollte eine Referatsleitung mit einer bestimmten Person aus den Reihen der Soldaten besetzen. Also wurde der Posten zum militärischen umgewidmet, obwohl sich an den Verwaltungsaufgaben des Referats nichts geändert hatte. Die geforderten Qualifikationen schlug das Personalamt passend zur Wunschkandidatur vor. Am Ende bekam die gewünschte Person den Posten.
Günstig ist das nicht. Die Kostensätze berechnet ausgerechnet die Finanzabteilung des Amtes jedes Jahr für die ganze Bundeswehr. Für Berufssoldaten liegen sie 21 Prozent über denen von Beamten, in der Besoldungsgruppe B 3 sogar 35 Prozent. Zugleich bleibt einem Soldaten wegen Sport, Schießausbildung und anderem militärischem Dienst nur 88 Prozent der Arbeitszeit eines Beamten für die eigentlichen Aufgaben. Je Arbeitsstunde kostet ein Berufssoldat damit rund 37 Prozent mehr (1,21 geteilt durch 0,88).
Das Amt wies die Kritik weitgehend zurück. Personalwirtschaftliche Erwägungen seien unvermeidbar, und über die Statusgruppe könne es ohnehin kaum selbst entscheiden. Immerhin kündigte es an, alle militärischen Dienstposten zu überprüfen.
Kritik
Wer Soldaten an Schreibtische für allgemeine Verwaltungsaufgaben setzt, zahlt mehr für weniger Arbeitszeit. Gleichzeitig fehlen diese Soldaten in einer Truppe, die dringend wachsen soll. Dass ein Dienstposten auf eine Wunschperson zugeschnitten wird, statt sich nach der Aufgabe zu richten, ist mit sparsamer Haushaltsführung nicht vereinbar. Das Amt hätte die Vorgabe von 2017 ernst nehmen und Posten ohne militärischen Bezug zügig in zivile umwandeln müssen.
Einrichtung militärischer Dienstposten im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, Bundesrechnungshof, 8. Juni 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.