Digitales Baumodell, Daten in losen Tabellen
Der Bund lässt die Gipsabguss-Werkstatt der Berliner Museen für 97,5 Mio. Euro digital planen, doch die Daten landen in losen Tabellen
Was ist passiert?
In Charlottenburg steht ein Gebäude aus den Jahren 1889 bis 1891, in dem die Staatlichen Museen ihre Gipsformerei betreiben, ein Archiv und eine Manufaktur zugleich. Es gibt dort eine Formwerkstatt, Malerateliers und Lager für historische Formen und Modelle. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine bundesunmittelbare Stiftung unter Rechtsaufsicht des Kulturstaatsministers, will den Altbau grundsanieren und einen fünfgeschossigen Neubau in den Hof setzen. Die Kosten trägt allein der Bund. Im Jahr 2021 wurden sie mit 97,5 Mio. Euro veranschlagt, in Betrieb gehen soll alles im Mai 2033.
Geplant wird mit Building Information Modeling (BIM). Dabei entsteht ein digitales Gebäudemodell, das Angaben zu Bauteilen, Herstellern und Wartung bis in den späteren Betrieb weitertragen soll. Genau deshalb habe man sich für BIM entschieden, erklärte die Stiftung. Welche Daten sie dafür braucht, hat sie allerdings nie festgelegt. Es gibt weder eigene BIM-Ziele noch eigene Anforderungen an die Informationen, und geschulte Ansprechpartner fehlen ebenfalls. Der Vertrag mit dem Objektplaner läuft seit Juli 2023.
Wie sich das auswirkt, zeigt ein Beispiel. Schon im Dezember 2021 notierte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, eine Verknüpfung des Raumbuchs mit dem Modell würde sich lohnen. Drei Jahre später bestellte es die Raumdatenblätter trotzdem als Excel- und PDF-Dateien. Die Betriebsdaten sollen als CSV-Datei übergeben werden, also ohne Verbindung zum Modell. Die Anwendungsfälle für Dokumentation und Betrieb wurden auf spätere Leistungsphasen verschoben. Die 6D-Planung, die etwa Wartungsintervalle enthalten würde, wurde aus Kostengründen gar nicht beauftragt. Erst im Januar 2026 einigte man sich auf ein sogenanntes BIM-Grundgerüst.
Die Prüfer warnen, dass Attribute wie die Wartungsdaten der Aufzüge später in ein Modell nachgetragen werden müssen, dessen Bauteile längst ohne sie gezeichnet sind. Das sei aufwendig und berge das Risiko von Datenverlusten. Gerügt hatte der Bundesrechnungshof die fehlende Digitalisierungsstrategie bereits 2023. Der Kulturstaatsminister verweist auf knappe Kassen.
Für den Bau des Originals genügten drei Jahre. Von der Kostenvorlage 2021 bis zur geplanten Inbetriebnahme 2033 vergehen zwölf.
Kritik
Wer ein Bauprojekt für 97,5 Mio. Euro digital planen lässt, muss zuerst klären, wofür er die Daten später braucht. Die Stiftung hat diese Entscheidung jahrelang vertagt und arbeitet nun an einem Modell, dessen Nutzen für den Betrieb ungewiss ist. Die Anforderungen an Wartungs- und Betriebsdaten hätten vor Beginn der Entwurfsplanung feststehen müssen. Spätestens nach der Rüge von 2023 hätte der Kulturstaatsminister dafür sorgen müssen, denn jedes weitere Verschieben macht das Nachtragen teurer.
Sanierung und Erweiterung Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Teil 1: Digitale Herausforderungen (Kapitel 0452 Titel 894 32), Bundesrechnungshof, 9. Juni 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.