Jeder Dritte im Ministerium verwaltet nur das Haus
Von 22.700 Vollzeitkräften in den Bundesministerien erledigen 7.700 interne Dienste wie Post und Personal, oft ohne ermittelten Bedarf
Was ist passiert?
In den Bundesministerien und im Bundeskanzleramt wird nicht nur Politik vorbereitet. Jemand muss auch den Haushalt führen, Personal einstellen, die Post verteilen, die Pforte besetzen und den Dienstwagen fahren. Wie viel Personal diese Hilfsdienste binden, hat sich die Bundesregierung nach Feststellung des Bundesrechnungshofes nie im Überblick angesehen. Das hat die Prüfbehörde in einem Bericht vom Mai 2025 nachgeholt.
Den Ministerien standen 2023 rund 22.700 Vollzeitkräfte zur Verfügung. Rund 34 Prozent davon kümmerten sich um interne Serviceaufgaben, also etwa 7.700 Vollzeitkräfte (34 Prozent von 22.700). Allein auf Haushalt, Organisation, Personal und Inneren Dienst entfielen 3.638 Vollzeitkräfte, je nach Haus zwischen 11 und 22 Prozent der Belegschaft. Für diese Aufgaben gelten in allen Ministerien im Wesentlichen dieselben Regeln.
Am großzügigsten zeigte sich das Bundeskanzleramt. Seinen Organisationsbereich baute es seit 2018 um 124 Prozent aus. Von seinen 857 Vollzeitkräften arbeiten 187 in den Kernbereichen der inneren Verwaltung, mehr als jede fünfte. Im Verteidigungsministerium ist es nur gut jede zehnte. Mit dessen Quote von 10,8 Prozent käme das Kanzleramt mit rund 93 Kräften aus (857 mal 0,108), also mit der Hälfte.
Eine belastbare Grundlage für diesen Personaleinsatz fehlt oft. Nur jedes zweite Ministerium hatte für diese Bereiche eine aktuelle Organisationsuntersuchung und Personalbedarfsermittlung vorzuweisen. Das Innenministerium konnte für 2018 nicht einmal tatsächliche Zahlen liefern, sondern nur sein Soll. Selbst die Digitalisierung, von der man sich Entlastung versprach, führte in Haushalt, Organisation und Personal nach Angaben der Häuser eher zu mehr Stellen, weil die neuen Programme betreut werden wollen.
Die Ministerien sehen darin kein Problem. Sie verweisen auf Krisen, Sonderfonds, gewachsene Fachabteilungen und darauf, dass sich ihre Häuser nicht vergleichen ließen. Ob zu viel Personal im Einsatz ist, hat der Bundesrechnungshof ausdrücklich nicht bewertet. Wer seinen Bedarf nicht misst, kann allerdings auch nicht belegen, dass er stimmt.
Kritik
Wenn die Häuser ihren Personaleinsatz in den Servicebereichen ausbauen, ohne den Bedarf zu ermitteln, ist das keine Verwaltungsführung, sondern Fortschreibung. Bevor dort weitere Stellen entstehen, müssen Fallzahlen und Bearbeitungszeiten erhoben und die Ministerien am sparsamsten vergleichbaren Haus gemessen werden. Die Digitalisierung muss Personal für Fachaufgaben freisetzen, statt neues zu binden. Wer seinen Mehrbedarf nicht belegen kann, sollte keine zusätzlichen Stellen bekommen.
Personalkapazitäten für interne Servicebereiche in den Bundesministerien, Bundesrechnungshof, 7. Mai 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.