Kultur im Ausland: Fast eine Milliarde ins Blaue
Das Auswärtige Amt gibt 2026 rund 987 Millionen Euro für deutsche Schulen, Sprachkurse und Stipendien im Ausland aus, ohne die Wirkung zu prüfen
Was ist passiert?
Goethe-Institute, deutsche Auslandsschulen, Stipendien des DAAD: All das gehört zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Mit ihr will das Auswärtige Amt weltweit Verständnis und Vertrauen gegenüber Deutschland fördern. Für 2026 sind dafür 987,2 Mio. Euro eingeplant. Das sind rund 2,7 Mio. Euro an jedem Tag des Jahres (987,2 Mio. Euro geteilt durch 365). Die Ziele hat der Bundestag in den Haushaltsplan geschrieben. Was das Geld davon tatsächlich erreicht, weiß allerdings niemand so genau.
Der Bundesrechnungshof stellte im Juli 2026 fest, dass das Ministerium diese Ziele nie in eine Gesamtstrategie übersetzt hat. Gesteuert wird stattdessen über Zielvereinbarungen mit den Mittlerorganisationen. Die Prüfer nennen sie „allenfalls Stückwerk“. Im Ergebnis legen die Geförderten faktisch selbst fest, was sie erreichen sollen und ob sie es erreicht haben.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei Beispiele. Beim Goethe-Institut zählt ein Indikator für das Unterziel Nachhaltigkeit und Diversität schlicht die „Anzahl der durchgeführten Projekte und Programme“. Ausgangswerte wurden vielfach gar nicht erhoben, ein Vorher-Nachher-Vergleich ist so kaum möglich. Beim DAAD soll der Zuwendungsempfänger die Ergebnisse auf der Wirkungsebene in Eigenregie beurteilen. Die übergeordneten Ziele werden ohnehin nicht überprüft, weil sie auf rund zehn Jahre angelegt seien.
Auch bei den Schulen fehlt der Blick auf das Ergebnis. Eine Auslandsschule erhält im Schnitt 1,6 Mio. Euro im Jahr, eine Partnerschule 21.000 Euro. Ob die Schüler danach eine Bindung zu Deutschland haben oder als Fachkräfte ins Land kommen, prüft das Ministerium nicht systematisch.
Das Auswärtige Amt sieht darin keinen Mangel. Die Kulturpolitik sei in alle zentralen außenpolitischen Strategien eingebunden, von der China-Strategie bis zu den Afrika-Leitlinien. Es handele sich um einen „integrativen, modularen strategischen Ansatz“. Nur tauchen genau diese Strategien in den Zielvereinbarungen mit den Mittlerorganisationen nicht auf.
Kritik
Wer jedes Jahr fast eine Milliarde Euro Steuergeld ausgibt, muss sagen können, wofür und mit welchem Ergebnis. Das Auswärtige Amt hat die Erfolgsmessung weitgehend den Empfängern überlassen, die ihre eigene Arbeit benoten dürfen. Das Ministerium hätte vor der Mittelvergabe messbare Ziele mit Ausgangswerten festlegen und die Bewertung selbst in der Hand behalten müssen. Solange das fehlt, lässt sich nicht einmal sagen, ob die Mittel in dieser Höhe überhaupt gebraucht werden.
Strategischer Ansatz der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, Bundesrechnungshof, 29. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.