Staatsbilanz

Bund/Weitere/Fehlender Bedarf

Millionen für Personaltipps ohne Wirkungsnachweis

Das Bundeswirtschaftsministerium zahlt einem Kölner Institut 2 Mio. Euro im Jahr für Tipps zur Personalsuche, ohne Beleg, dass sie wirken

Was ist passiert?

Kleine und mittlere Unternehmen stellen 99,3 Prozent aller Betriebe in Deutschland. Nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums fehlen ihnen Personal und Geld, um selbst vorausschauend nach Fachkräften zu suchen. Deshalb finanziert das Ministerium seit 2011 aus einem eigenen Haushaltstitel Lotsen, Berater, Netzwerke und Internetportale. Zuletzt standen dafür jährlich zwischen 22,5 und 27,5 Mio. Euro bereit. Ein fester Posten darin ist das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, kurz KOFA, das Betriebe mit Informationen und Handlungsempfehlungen versorgen soll.

Betrieben wird es vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, der Auftragswert liegt bei rund 2 Mio. Euro im Jahr. Das Ministerium hält das für ein glänzendes Geschäft: Das KOFA senke die volkswirtschaftlichen Kosten unbesetzter Stellen um jährlich 16 bis 100 Mio. Euro. Schon die Spanne zeigt, wie wenig belastbar diese Rechnung ist. Zwischen unterem und oberem Wert liegen 84 Mio. Euro, das Zweiundvierzigfache der jährlichen Kosten. Die Zahlen stammen aus einer Evaluation von 2019, deren maßgebliche Kennzahlen auf Annahmen beruhten.

Der Bundesrechnungshof stellte im November 2025 fest, dass das Ministerium nie überzeugend begründet hat, warum Betriebe neben den zahlreichen vorhandenen Angeboten ausgerechnet dieses brauchen. Die Vergabe an einen externen Dienstleister galt als wirtschaftlich, weil man die beiden anderen Varianten zuvor verworfen hatte. Gemessen wird der Erfolg an der Zahl der Formate und an Reichweiten, nicht daran, ob Unternehmen das Angebot nutzen. Eine gründlichere Wirkungsmessung hielt das Ministerium für unangemessen aufwendig.

Zur Planung des gesamten Titels passt das. Seit 2015 floss jedes Jahr weniger ab als veranschlagt, 2016 fast 8 Mio. Euro weniger. Bei den Willkommenslotsen wurden von 2019 bis 2023 von geplanten 31,8 Mio. Euro nur 20,0 Mio. Euro ausgegeben. Für den Deutschen Qualifizierungsrahmen standen regelmäßig 100.000 bis 500.000 Euro im Plan, abgeflossen ist von 2018 bis 2023 kein Euro. Der Vertrag für das KOFA läuft dennoch bis Ende Juni 2026, danach soll er um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Kritik

Wer seit 13 Jahren rund 2 Mio. Euro jährlich in ein Informationsangebot steckt, muss zeigen können, dass es gebraucht wird und wirkt. Eine Nutzenrechnung mit einer Spanne von 16 bis 100 Mio. Euro ist kein Nachweis, sondern eine Schätzung ins Blaue. Vor jeder weiteren Verlängerung gehört das KOFA auf das beschränkt, was andere Angebote nicht schon leisten, oder ganz auf den Prüfstand. Und Mittel, die Jahr für Jahr liegen bleiben, sollten gar nicht erst eingeplant werden.

Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen - Kapitel 0902 Titel 686 05, Bundesrechnungshof, 11. November 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge: Weitere

  1. 24.09.2026WeitereBundesrechnungshof Umschulung bezahlt, danach allein gelassen 1,9 Mrd. € Die Arbeitsagentur zahlte 2024 in Deutschland 1,9 Mrd. Euro für Kurse Arbeitsloser, doch fast jeden Vierten beriet sie danach nicht rechtzeitig
  2. 23.09.2026WeitereBundesrechnungshof Doppelte Förderung für Hausumbau bleibt ungeprüft 10,7 Mio. € Rund 10,7 Mio. Euro im Jahr: Das Bundesfinanzministerium prüft nicht, ob Hausbesitzer für ihren Umbau doppelt Staatsgeld kassieren
  3. 11.09.2026WeitereBundesrechnungshof Jobcenter: Geld für Arbeitslose landet in Büros 6,3 Mrd. € Der Bund ließ zu, dass Jobcenter bundesweit 6,3 Milliarden Euro für Arbeitslosenhilfe von 2020 bis 2025 in eigene Personal- und Bürokosten steckten

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz