Ministerien kaufen Auswertungssoftware doppelt
Das Kanzleramt zahlt 3 Mio. Euro im Jahr für eine gemeinsame Software zur Datenauswertung, doch 71 Prozent der Ministeriumsteams hatten eigene
Was ist passiert?
Seit 2021 soll jedes Bundesministerium ein eigenes Datenlabor betreiben: kleine Teams, die Verwaltungsdaten auswerten, Dashboards bauen und künstliche Intelligenz erproben. Inzwischen gibt es 17 solcher Labore im Kanzleramt, in den Ministerien und im Presseamt der Bundesregierung. Für die Technik gab die Bundesregierung schon 2021 die Richtung vor. Die Plattform PLAIN des Auswärtigen Amts sollte zum gemeinsamen Werkzeug für alle ausgebaut werden, um Doppelarbeit zu vermeiden.
An diese Vorgabe hielten sich die Häuser kaum. Im Mai 2024 hatten 71 Prozent der Datenlabore eine eigene Analyseumgebung oder sie bereits beauftragt. Das Ergebnis überzeugte selten. Mehr als die Hälfte der Labore meldete, ihre Umgebung sei nur teilweise oder gar nicht geeignet (35 plus 18 Prozent). Zwei Labore konnten mehr als drei Jahre nach dem Beschluss der Datenstrategie überhaupt keine Umgebung nutzen. Ein anderes arbeitete mit drei ausgesonderten Laptops. Einem weiteren Labor bot das Informationstechnikzentrum Bund an, über acht Monate durch externe Berater zunächst einmal die Anforderungen erheben zu lassen, für über 200.000 Euro. Das Labor brach die Gespräche ab.
Im November 2024 einigten sich die Labore schließlich doch auf PLAIN. Das Kanzleramt wollte die Plattform zunächst mit 3 Mio. Euro im Jahr finanzieren. Für die einzelnen Labore ist sie kostenlos. Auf 17 Labore verteilt sind das rund 176.000 Euro je Labor und Jahr (3 Mio. Euro geteilt durch 17). Das ist weniger, als das Informationstechnikzentrum allein für die Bedarfserhebung eines einzigen Labors verlangen wollte.
Was aus den Eigenlösungen wird, ist offen. Ob sie neben dem Gratisangebot noch wirtschaftlich sind, kann niemand sagen. Auch bei Aufträgen an externe Dienstleister verzichteten die Labore vielfach auf Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Der Bundesrechnungshof verlangt, nicht mehr benötigte Umgebungen zurückzubauen und zu verwerten. Das zuständige Digitalministerium hat das nicht zugesagt. Das Kanzleramt hatte einen Abbau der Individuallösungen schon zuvor für unrealistisch gehalten.
Kritik
Wer eine gemeinsame Plattform beschließt und dann in jedem Haus eigene Technik anschafft, bezahlt doppelt. Die Ministerien hätten 2021 gemeinsame Mindestanforderungen festlegen und auf PLAIN setzen müssen, statt drei Jahre lang Insellösungen zu bauen, die oft nicht einmal funktionierten. Jede eigene Umgebung, die neben dem kostenlosen Angebot weiterläuft, muss sich jetzt einer ehrlichen Wirtschaftlichkeitsprüfung stellen. Was diese Prüfung nicht besteht, gehört abgeschaltet und verwertet.
Chief Data Scientists und Datenlabore in der Bundesverwaltung: Teil 2: Infrastruktur, Informationssicherheit und Wirtschaftlichkeit, Bundesrechnungshof, 13. April 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.