Rentenversicherung kauft weiter teure Berater
Die Deutsche Rentenversicherung Bund zahlte 8,6 Mio. Euro für Digitalberater, obwohl ihr eigenes Team sie ersetzen sollte und von 3 auf 57 wuchs
Was ist passiert?
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund verwaltet als Sozialversicherungsträger Beitrags- und Steuergeld treuhänderisch und steht unter Aufsicht des Bundesamts für Soziale Sicherung. Schon 2024 hatte der Bundesrechnungshof ihre Ausgaben für strategische Beratung gerügt. Ein Beispiel war eine zehnseitige Geschäftsordnung mit Stichworten wie „Schweinerunden und Surfhören“ für 765 000 Euro, das sind 76 500 Euro je Seite. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages verlangte daraufhin, die Ausgaben auf ein angemessenes Niveau zu begrenzen. Die Präsidentin der DRV Bund sah ihr Haus „auf einem guten Weg“.
Die Kontrollprüfung vom Mai 2026 kommt zu einem anderen Ergebnis. Für ihre Digitalstrategie zahlte die DRV Bund seit 2019 insgesamt 8,6 Mio. Euro an drei Beratungsunternehmen. Weitere 2,9 Mio. Euro flossen in Beratung zum Aufbau einer eigenen Stabsstelle. Diese sollte Wissen im Haus aufbauen und so die Beraterkosten senken. Aus drei Beschäftigten wurden 57, die Beraterkosten sanken trotzdem nicht. Aufträge über 3,7 Mio. Euro für die Jahre 2021 bis 2023 begründete die DRV Bund unter anderem damit, dass die Stabsstelle nun mehr Beschäftigte habe und deshalb mehr Beratung brauche. Lastenhefte gab es nicht, stattdessen Schlagworte wie „Arbeitsplatz X.0“ und „Leuchtturmprojekte“. Nach den eigenen Unterlagen waren Umfang und Inhalt der Beratung bei der Bedarfsermittlung „ungeklärt“.
Im neuen CIO-Office setzte sich das Muster fort. Nach Darstellung des Bundesrechnungshofes wurde für 1,7 Mio. Euro ein persönlich bekannter Berater beauftragt, der schon seit 2016 für das Haus arbeitet und vor allem Tagungen moderiert. Auf eine Ausschreibung verzichtete die DRV Bund. Auch über den Preis wurde nicht verhandelt, weil der Berater seinen Tagessatz von 965 Euro nicht erhöht hatte. Allein dieser Vertragsteil umfasst 689 000 Euro. Das entspricht rund 714 Beratertagen (689 000 Euro geteilt durch 965 Euro).
Die neuen Kontrollverfahren, auf die sich die DRV Bund beruft, waren zum Zeitpunkt der Prüfung an keinem einzigen Auftrag angewendet worden. Ihre Wirkung erwartet die DRV Bund erst für Projekte ab 2026.
Kritik
Wer eine Stabsstelle auf das Neunzehnfache vergrößert, um weniger Berater zu brauchen, darf danach nicht mehr Beratung einkaufen. Die DRV Bund hat Millionen ausgegeben, ohne vorher zu klären, was sie eigentlich braucht. Folgeaufträge an persönlich bekannte Berater ohne Ausschreibung und ohne Preisverhandlung gehören abgestellt. Bevor ein Beratungsauftrag vergeben wird, muss der Bedarf nachgewiesen sein, und die Aufsicht muss das auch kontrollieren.
Ausgaben der Deutschen Rentenversicherung Bund für externe Beratung - Kontrollprüfung, Bundesrechnungshof, 6. Mai 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.