Staatsbilanz

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Umschulung trotz Nein vom Psychologen

Bundesweit zahlten Jobcenter 15 Bürgergeld-Beziehern teure Umschulungen, obwohl Psychologen in jedem Fall abgeraten hatten

Was ist passiert?

Wer Bürgergeld bezieht und keinen Berufsabschluss hat, kann ihn mit einer Umschulung bei einem Bildungsträger nachholen. Die Kosten trug bis Ende 2024 das Jobcenter. Weil solche Maßnahmen meist zwei bis drei Jahre laufen, gelten sie als besonders kostenintensiv. Für berufliche Weiterbildung im Bürgergeld gaben die Jobcenter in gemeinsamer Einrichtung 2022 insgesamt 535 Mio. Euro aus. Gefördert werden soll nur, wer den Abschluss voraussichtlich auch schafft. Die Eignung soll deshalb im Regelfall ein Gutachten des Berufspsychologischen Service der Bundesagentur für Arbeit klären.

Der Bundesrechnungshof zog 200 zufällige Umschulungsfälle aus fünf Jobcentern, bewilligt zwischen Mai und Dezember 2020. Ein Gutachten fand er nur in 83 Akten. In 15 davon rieten die Psychologen ab. Die Jobcenter förderten alle 15 trotzdem. Eine Frau sollte Erzieherin werden, obwohl ihr Deutsch unter dem Anfängerniveau A2 lag und auch der Logiktest dagegen sprach. Nach zweieinhalb Monaten brach sie ab. Andernorts überließ man die Eignungsprüfung gleich dem Bildungsträger, der danach selbst die Umschulung durchführte. In einem Jobcenter betraf das 16 von 38 Fällen. Ein anderes Jobcenter hielt Gutachten schlicht für zu langwierig.

Unterm Strich prüften die Jobcenter in 59 von 200 Fällen, also in 30 Prozent, die Eignung nicht ausreichend. Bei der Prüfung 2012 lag dieser Anteil noch bei 25 Prozent. In knapp jedem fünften Fall ging es zudem um Berufe mit geringen Beschäftigungschancen. Über ein Drittel der Teilnehmenden brach die Umschulung vorzeitig ab, meist wegen Fehlzeiten und Überforderung.

Die Bundesagentur gab dem Rechnungshof weitgehend recht. Seit Januar 2025 bewilligen die Agenturen für Arbeit die Umschulungen, und das Gutachten soll der Regelfall sein. Zugleich erklärte die Bundesagentur, eine mangelnde Akzeptanz der Gutachten in den Jobcentern sei ihr nicht bekannt. Bei einer Quote von 15 zu 15 fällt diese Einschätzung bemerkenswert milde aus.

Kritik

Ein Gutachten zu bezahlen und es dann in jedem einzelnen Fall zu übergehen, heißt doppelt Geld auszugeben: erst für die Prüfung, dann für eine Umschulung, deren Scheitern absehbar war. Wer die Eignung von dem Träger feststellen lässt, der anschließend selbst die Maßnahme durchführt, fragt den Bäcker, ob man Brötchen braucht. Teure mehrjährige Umschulungen dürfen nur bewilligt werden, wenn Eignung und Jobaussichten belegt sind. Ob die neue Zuständigkeit der Agenturen daran tatsächlich etwas ändert, muss sich erst zeigen.

Förderung von Umschulungen bei Trägern durch Jobcenter in gemeinsamer Einrichtung, Bundesrechnungshof, 21. Februar 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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