Staatsbilanz

Bund/Kultur und Medien/Imagepflege

Wachschutz teurer als die Kunst im Schloss Bellevue

Der Bund förderte eine Kunstschau im Berliner Schloss Bellevue: Von 625.000 Euro flossen 321.000 in Sicherheit, nur 140.000 in die Ausstellung

Was ist passiert?

Das Schloss Bellevue ist der Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten, hier empfängt er Staatsgäste und Diplomaten. Bevor das Haus für rund 600 Mio. Euro über etwa acht Jahre saniert werden soll, stellte der Bundespräsident die weitgehend leeren Räume für eine Kunstausstellung zur Verfügung. Die vom Bund geförderte Akademie der Künste zeigte dort vom 13. bis 28. Juni 2026 unter dem Titel „Freiraum Kunst“ Arbeiten ihrer Mitglieder.

Insgesamt kostete das Vorhaben 625.000 Euro. Für Ausstellung, Vermittlung und ein Begleitbüro fielen 233.000 Euro an, für Öffentlichkeitsarbeit 71.000 Euro. Der größte Posten hatte mit Kunst allerdings wenig zu tun: 321.000 Euro, mehr als die Hälfte des Budgets, flossen in Sicherheit. Schleusen, Zelte, Kontrolltechnik und Wachpersonal auf dem Gelände kosteten 225.000 Euro, im Gebäude kamen 96.000 Euro hinzu. Die Bundesregierung verweist darauf, dass das Schloss während der Schau weiter Amtssitz war und noch Staatsbesuche stattfanden. Die geltenden Sicherheitsanforderungen hätten daher auch für die Besucher gegolten. Das klingt schlüssig, wirft aber die Frage auf, warum man die Ausstellung ausgerechnet in diesen Wochen dort zeigen musste.

Der Schutz kostete damit mehr als doppelt so viel wie die eigentliche Ausstellung mit Honoraren, Technik und Kunsttransport (321.000 gegenüber 140.000 Euro). Auf die 16 Ausstellungstage verteilt waren das rund 20.000 Euro Sicherheit pro Tag (321.000 : 16). Bei geschätzten 35.000 Gästen entfielen auf jeden Besucher gut 9 Euro allein für Einlass und Bewachung (321.000 : 35.000). Die beiden Sicherheitsfirmen wurden ohne Ausschreibung über bestehende Rahmenvereinbarungen beauftragt, was nach den Vergaberegeln zulässig war.

Der Bund trug 224.000 Euro: 124.000 Euro über die Akademie und weitere 100.000 Euro, die der Kulturstaatsminister im Mai 2026, einen Monat vor Eröffnung, zusätzlich bewilligte. Die Begründung lautete: erhebliches Bundesinteresse. Wie hoch die Künstlerhonorare ausfielen, bleibt Geschäftsgeheimnis. Einen Maßstab liefert die Bundesregierung selbst: Die teuerste Ausstellung in anderen Bundesliegenschaften seit 2024, eine Wanderausstellung zum Zoll, kostete rund 109.000 Euro. Viele andere kamen mit wenigen hundert Euro aus.

Kritik

Wer eine Publikumsausstellung in einem Amtssitz mit laufendem Staatsbesuchsbetrieb veranstaltet, weiß vorher, dass die Sicherheit den größten Teil des Budgets verschlingt. Dass für Schleusen und Wachleute mehr als doppelt so viel ausgegeben wurde wie für die gezeigte Kunst, hätte vor der Zusage zu einem Umdenken führen müssen. Statt 100.000 Euro zusätzlich zu bewilligen, hätte der Bund das Projekt in einen Zeitraum ohne diese Auflagen verlegen oder deutlich verkleinern sollen. Ein Auftrag über 321.000 Euro gehört zudem in den Wettbewerb, auch wenn Rahmenverträge den bequemeren Weg erlauben.

Drucksache 21/7363: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/7092 - Potenzielle Kosten aus Bundesmitteln durch die Ausstellung "Freiraum Kunst" im Schloss Bellevue, Antworten auf Kleine Anfragen, 27. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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