Staatsbilanz

Bund/Kultur und Medien/Fehlplanung

Zehn Millionen Euro für ein Denkmal im Stillstand

Die Bundesregierung zahlte 10,85 Millionen Euro für eine begehbare Stahlschale als Denkmal in Berlin, seit 2024 ruht die Baustelle

Was ist passiert?

Berlin (BE). Auf einem historischen Denkmalsockel in Berlin soll das Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen: eine begehbare Stahlschale über einer Betonmulde, die sich mithilfe von Hydraulik bewegen lässt. Der Entwurf trägt den Titel „Bürger in Bewegung“. Auf der Baustelle bewegt sich seit zwei Jahren allerdings kaum noch etwas.

Vom Baubeginn im Mai 2020 bis Ende August 2026 hat der Bund 10,85 Mio. Euro gezahlt, den Großteil an die Arbeitsgemeinschaft Milla & Partner/Sasha Waltz, die als Generalübernehmer plante und baute. Im Jahr 2024 gingen sowohl diese Arbeitsgemeinschaft als auch der von ihr beauftragte Stahlbauer in die Insolvenz. Die Zahlungen zeigen, was seither passiert: 2020 flossen 3,76 Mio. Euro, in den Jahren 2025 und 2026 zusammen nur noch rund 75.600 Euro. Das ist etwa ein Fünfzigstel des Betrags aus dem ersten Baujahr.

Die Stahlsegmente liegen weiterhin am Fertigungsort. Abtransportiert werden dürfen sie erst, wenn ein Insolvenzplan rechtskräftig bestätigt ist. Dieser Plan wird derzeit noch erarbeitet. Nach einem Fertigstellungstermin gefragt, nennt die Bundesregierung weder Quartal noch Jahr. Zugleich versichert sie, konkrete Hindernisse seien derzeit nicht bekannt. Dabei fehlt noch fast alles, was das Denkmal ausmacht: die Montage der Schale, der Gehbelag, die Handläufe, der Blitzschutz und die gesamte Technik für die Bewegung.

Im Entwurf für den Bundeshaushalt sind Gesamtausgaben von rund 28,7 Mio. Euro veranschlagt. Ob das reicht, beantwortet die Regierung mit einem einzigen Wort: „Ja.“ Gemessen daran sind etwa 38 Prozent ausgegeben, rund 17,85 Mio. Euro stehen noch aus. Wirklich vorangekommen sind auf dem Sockel bislang nur die Fledermäuse. Im Februar 2026 wurde dort ein neuer Höchststand gezählt.

Kritik

Mehr als zehn Millionen Euro stecken in einem Denkmal, das niemand betreten kann und dessen wichtigste Teile in einer Werkhalle lagern. Wer ein solches Vorhaben einem einzigen Generalübernehmer überträgt, muss die Rechte an den bezahlten Bauteilen frühzeitig absichern. Statt einer knappen Zusicherung, das Budget reiche aus, braucht es einen verbindlichen Zeitplan und eine ehrliche Rechnung der Mehrkosten. Je länger der Stillstand dauert, desto teurer wird jedes weitere Jahr.

Drucksache 21/7927: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/7706 - Fortschritt der Bauarbeiten am Freiheits- und Einheitsdenkmal ("Einheitswippe"), Antworten auf Kleine Anfragen, 7. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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