Weniger Soldaten, mehr teure Offiziere
Das Verteidigungsministerium strich bei der Bundeswehr seit 2010 rund 60.000 Soldatenstellen und schuf 1.429 neue für hoch bezahlte Offiziere
Was ist passiert?
Die Bundeswehr soll sich wieder auf ihren Kernauftrag konzentrieren, die Landes- und Bündnisverteidigung. Seit März 2025 darf der Bund dafür nahezu unbegrenzt Schulden machen: Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen nicht mehr unter die Schuldenregel. Im Mai 2025 legte der Bundesrechnungshof dar, wofür dieses Geld unter anderem ausgegeben wird, nämlich für einen immer größeren Überbau.
Im Jahr 2010 standen den Streitkräften rund 255.000 Planstellen für Soldaten zur Verfügung, 2024 waren es noch rund 195.000. Das sind 24 Prozent weniger. Gespart wurde allerdings vor allem unten: Bei den Mannschaften fielen 40 Prozent der Planstellen weg, bei den Unteroffizieren 20 Prozent. Die Planstellen für Offiziere und Stabsoffiziere nahmen dagegen um 5 Prozent zu. Von 100 Planstellen waren 2010 noch 15 für Offiziere vorgesehen, 2024 bereits 21. Oberhalb der Besoldungsgruppe A 14 kamen 1.429 Planstellen hinzu, ein Plus von 31 Prozent. Weil zugleich zahlreiche Truppenteile aufgelöst wurden, sitzen viele dieser gut dotierten Kräfte nun in Stäben, Ämtern und Schulen.
Das Verteidigungsministerium selbst ist ein anschauliches Beispiel. Im Jahr 2017 bezeichnete es rund 2.500 Dienstposten als „auskömmliche Personalausstattung“, der Bedarf sei „umfassend gedeckt“. Heute verfügt es über rund 3.000, also 20 Prozent mehr als nach eigener Rechnung nötig. Zwei Bundesämtern erkannte es zudem 2.500 neue Dienstposten zu, obwohl diese ihren Bedarf überwiegend nicht nachvollziehbar begründet hatten. Für mehrere Zehntausend Soldatendienstposten gilt nach Einschätzung des Ministeriums sogar, dass ihre Aufgaben im Verteidigungsfall gar nicht erledigt werden müssten.
Das Ministerium hält dagegen, höhere Qualifikation gehe nun einmal mit höheren Dienstgraden einher, und die Prüfung der eigenen Aufgaben betreibe man ohnehin laufend. Ihre Reform von 2024 hat an der Kopflastigkeit allerdings wenig geändert. Die Prüfer bewerteten sie als weitgehend kosmetisch.
Kritik
Eine Armee, die unten um 40 Prozent schrumpft und oben wächst, wird teurer, aber nicht schlagkräftiger. Gerade weil für Verteidigung künftig fast unbegrenzt Kredite bereitstehen, darf zusätzliches Geld nicht in Stäbe, Verwaltung und Beförderungsstellen fließen. Bevor neue Schulden aufgenommen werden, muss das Verteidigungsministerium Aufgaben ohne Bezug zum Kernauftrag streichen und die frei werdenden Stellen der Truppe zuschlagen. Neue Planstellen oberhalb von A 14 sollte der Haushaltsausschuss nur noch bewilligen, wenn ihr Nutzen für die Verteidigung klar belegt ist.
Handlungsbedarf bei der Bundeswehr, Bundesrechnungshof, 27. Mai 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.