850.000 Euro für Dortmunder Bahnhofsplanung weg
Eine Firma der Stadt Dortmund hat für Pläne nördlich des Hauptbahnhofs fast 850.000 Euro verbraucht, jetzt bekommt sie noch mehr Aufgaben
Was ist passiert?
Nördlich des Dortmunder Hauptbahnhofs liegt ein Streifen von rund 21,9 Hektar und etwa 1,25 Kilometern Länge, der zu einem neuen Stadtteil umgebaut werden soll. Um das vorzubereiten, gründeten die Stadt und die Beteiligungsgesellschaft der Stadtwerke (DSW-B) im November 2022 eine gemeinsame Projektgesellschaft. Jeder Partner stattete sie mit 25.000 Euro Stammkapital und 475.000 Euro Kapitaleinlage aus, zusammen also eine Million Euro. Die Gesellschaft sollte in einer ersten Stufe lediglich die Entscheidungsgrundlagen für das Projekt liefern.
Diese Phase ist beendet, der Explorationsbericht liegt vor. Das Geld ist es fast auch: Die Gesellschaft hat die Kapitaleinlage laut Vorlage „fast vollständig verbraucht“. Rechnet man die für den Stadtwerke-Partner prognostizierte Rückzahlung von rund 50.000 Euro hoch, bleiben von den 950.000 Euro Einlage etwa 100.000 Euro übrig. Rund 850.000 Euro wären demnach in gut dreieinhalb Jahren (etwa 43 Monate) aufgezehrt worden, das sind rund 20.000 Euro im Monat. Jahr für Jahr führte die Stadt den Beteiligungswert dennoch unverändert in der Bilanz, weil man den weiteren Verlauf abwarten wollte.
Nun steigt die DSW-B aus. Die Stadt übernimmt deren Anteil zum Nennwert von 25.000 Euro und führt die Firma allein weiter, künftig unter dem Namen „Entwicklungsgesellschaft Dortmund“. Ihr Auftrag wird zugleich erweitert: Sie soll im Auftrag der Stadt Bauvorhaben für öffentliche Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet vorbereiten und beauftragen, nicht mehr nur am Bahnhof. Den bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer ersetzt niemand, die Aufgaben übernehmen ein externer Dienstleister und die Stadt selbst.
Der städtische Verlust ist nicht mehr abzuwenden. Weil in den Wirtschaftsplänen bis 2026 und danach keine Wertaufholung absehbar ist, sollen die 475.000 Euro zum 31. Dezember 2026 direkt mit der allgemeinen Rücklage der Stadt verrechnet werden. Hinzu kommen die 25.000 Euro für den zugekauften Anteil.
Kritik
Eine Gesellschaft, die in der ersten Projektstufe fast neun Zehntel ihrer Einlage verbraucht hat, bekommt nun mehr Aufgaben statt eine Bilanz der bisherigen Ergebnisse. Wer den Beteiligungswert über Jahre trotz laufender Verluste unverändert fortschreibt, verschleiert, wie viel Geld längst verloren war. Vor einer Ausweitung auf das ganze Stadtgebiet hätte die Stadt zuerst klären müssen, was die 850.000 Euro an Nutzen erbracht haben und mit welchen Kosten die nächsten Stufen verbunden sind. Und weil der Stadtwerke-Partner geht, während die Stadt allein zurückbleibt, tragen am Ende die Dortmunder Steuerzahler das gesamte Risiko.
01777-26: Entwicklung des nördlichen Umfelds des Dortmunder Hauptbahnhofes - Fortführung der Projektgesellschaft für das nördliche Bahnhofsumfeld Dortmund mbH, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 6. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.