200.000 Euro für Pferderennen in Düsseldorf
Düsseldorf zahlt dem Reiter- und Rennverein 200.000 Euro für ein Rennen und die Bahnsanierung, obwohl der Nutzen für die Stadt unklar bleibt
Was ist passiert?
Auf der Galoppbahn Grafenberg in Düsseldorf werden Pferderennen ausgetragen, veranstaltet vom Reiter- und Rennverein. Die Stadt unterstützt den Verein aus ihrem Haushalt. Laut einem Haushaltsantrag der Ratsfraktion Die Linke sind dafür zwei Zuwendungen von je 100.000 Euro vorgesehen: eine für den „Großen Preis“, eine für Sanierungsmaßnahmen. Zusammen sind das 200.000 Euro, gebucht unter den laufenden Zuwendungen an private Unternehmen.
Die Linke beantragte im Februar 2026, beide Posten zu streichen. Ihre Begründung: Das Geld diene privatwirtschaftlichen Interessen und habe keinen gesamtgesellschaftlichen Nutzen. Es sichere keine gefährdeten Arbeitsplätze und stütze keine schwache Wirtschaftsstruktur. Auch von einer Bedürftigkeit des Vereins könne wegen seiner Mitgliederstruktur nicht ausgegangen werden. Ein Nutzen für die Stadtgesellschaft sei daher nicht ersichtlich.
Zwei weitere Argumente geben dem Antrag Gewicht. Galopprennen sind ein Wettgeschäft: Fast 30 Mio. Euro erreichten die Wetteinsätze im Jahr 2025 in Deutschland, so die Angabe des Dachverbands Deutscher Galopp e.V. Rechnerisch entsprechen die 200.000 Euro der Stadt gut 0,6 Prozent dieser Summe (200.000 Euro geteilt durch 30 Mio. Euro). Die Stadt legt also Geld in einen Sport, dessen Umsätze zu einem erheblichen Teil aus Glücksspiel stammen. Hinzu kommt der Tierschutz. Im Mai 2025 musste ein Pferd eingeschläfert werden, nachdem es sich in einem Rennen auf der Bahn Grafenberg verletzt hatte.
Die Antragsteller sehen in der städtischen Hilfe für den „Großen Preis“ sogar eine Förderung der Wettspielsucht. Ob der Ausschuss dem Antrag folgte, geht aus der Vorlage vom Februar 2026 nicht hervor.
Kritik
Eine Stadt sollte nicht 100.000 Euro für ein Rennen zahlen, das über Wetten Umsätze erzeugt und von einem Verein ohne erkennbare Bedürftigkeit getragen wird. Auch die Sanierung ist kein Gemeinwohlprojekt, solange offen bleibt, wem die sanierten Anlagen nützen. Wer Steuergeld an einen privaten Verein gibt, muss einen klaren öffentlichen Nutzen benennen können, und der fehlt hier. Wenn die Stadt den Rennsport fördern will, sollte sie Zuschüsse nur befristet und an nachprüfbare Gegenleistungen binden.
AWIR/019/2026: Antrag der Ratsfraktion DIE LINKE: Prestige-Zuwendungen für den Reiter- und Sportverein abschaffen, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 24. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.