215.000 Euro für alte Schultoilette
Düsseldorf will für eine funktionierende Toilette der Adolf-Klarenbach-Schule 215.000 Euro ausgeben, mehr als die Hälfte des Schulgelds des Bezirks
Was ist passiert?
Jedes Jahr verteilt die Bezirksvertretung 9 in Düsseldorf Geld für den Bauunterhalt der Schulen im Stadtbezirk. Auf der Liste stehen meist Malerarbeiten, Reparaturen und kleine Wünsche der Schulen. In diesem Jahr stehen darauf unter anderem neu zu positionierende Fußballtore für 3.000 Euro, eine Wandgestaltung für 9.000 Euro und ein Gerätehaus für 17.500 Euro.
Daneben steht ein deutlich größerer Posten: Die Stadtverwaltung schlägt vor, 215.000 Euro für die Sanierung der Toilettenanlage im ersten Obergeschoss der Adolf-Klarenbach-Schule auszugeben. Der Zustand der Anlage aus den 1960er Jahren ist laut Vorlage „funktionstüchtig, jedoch mit optischen Mängeln versehen“. Sie gelte als nicht mehr zeitgemäß, ihre Nutzung werde als unangenehm empfunden. Die Schule wünscht sich die Sanierung, zudem soll ein behindertengerechtes WC eingeplant werden. Mehr verrät die Vorlage über den Umfang der Arbeiten nicht.
Die Größenordnung wird erst im Vergleich klar. Insgesamt umfasst die Liste Maßnahmen für 368.000 Euro. Allein die Toilette beansprucht davon 58 Prozent (215.000 : 368.000). Für die übrigen sieben Vorhaben bleiben zusammen 153.000 Euro. Selbst die Sanierung eines Mädchen-WCs an der Apollinaris-Schule, bei der Sanitäreinrichtungen und Trennwände komplett getauscht werden sollen, ist mit 47.500 Euro veranschlagt. Die Toilette der Klarenbach-Schule kostet damit gut das Vierfache (215.000 : 47.500 ≈ 4,5). Dabei gilt auch das dortige WC als funktionstüchtig mit optischen Mängeln.
Nach Abzug aller Posten bleiben vom verfügbaren Budget von 370.334,55 Euro gerade einmal 2.334,55 Euro übrig. Die Beschlüsse sollen unter dem Vorbehalt stehen, dass die vorläufige Haushaltsführung beendet wird.
Kritik
Eine Toilettenanlage, die funktioniert und nur alt aussieht, rechtfertigt keinen Aufwand, der fast 60 Prozent des Schulbudgets eines ganzen Stadtbezirks verschlingt. Wo das Geld an anderen Schulen für Fassaden, Malerarbeiten und Spielgeräte gebraucht wird, gehört ein solcher Posten auf den Prüfstand. Die Verwaltung hätte den Umfang begrenzen oder die Sanierung in Abschnitte aufteilen müssen, wie es beim vergleichbaren Mädchen-WC offenbar möglich ist. Optische Mängel sind ein Grund für einen neuen Anstrich, aber kein Grund für 215.000 Euro.
BV9/093/2026: Unterhaltung von Grundstücken und baulichen Anlagen im Stadtbezirk 9 - Haushalt 2026 Liste A Schulen, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 20. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.