Staatsbilanz

Stadt/Freiburg/Fehlender Bedarf

Erst unbezahlbar, dann im Haushalt

Bis zu 500.000 Euro soll ein eingelagertes Wandbild am Parkhaus kosten, das die Stadt selbst für nicht finanzierbar hielt.

Was ist passiert?

In der Breisacher Straße in Freiburg steht ein Parkhaus. Seine Fassade soll künftig ein Werk tragen, das die Stadt seit vielen Jahren in einem Lager aufbewahrt: das „Freiburger Bild“ von Horst Antes aus dem Jahr 1971, eine Kunst-am-Bau-Arbeit aus einzelnen Platten. Begleitet wird das Vorhaben von einem fünfköpfigen städtischen Beirat für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.

Schon in seiner ersten Sitzung im März 2023 befasste sich der Beirat mit dem Bild und wünschte eine weitere Visualisierung, diesmal auf Fußgängerebene. Die Stadt beauftragte sie, der Künstler war mit dem Platz rechts unten einverstanden. Dann kam die Rechnung. Im März 2024 lagen Kostenschätzungen für Restaurierung und Wiederanbringung vor: bis zu 500.000 Euro. Die Stadtverwaltung nannte diese Summe damals „haushälterisch nicht darstellbar“.

Damit hätte die Sache erledigt sein können. Der Beirat riet jedoch einstimmig, wegen des „hoch erscheinenden Kostenfaktors“ keinen voreiligen Entschluss zu fassen und nach anderen Geldquellen zu suchen. Die Verwaltung folgte dem Rat und stellte einen Förderantrag beim Bundesprogramm KultInvest. Ein Jahr nach dem Urteil „nicht darstellbar“ standen im Doppelhaushalt 2025/26 städtische Gelder für das Bild bereit. Im April 2025 erstellte ein Ingenieurbüro die Kostenplanung und wollte vom Beirat unter anderem wissen, ob die Platten mit oder ohne Abstand zueinander montiert werden sollen.

Wie knapp das Geld für Kunst in der Stadt sonst ist, zeigt derselbe Bericht. Für die Restaurierung eines Werks in einer Innenstadtpassage fand sich weder bei den Eigentümern noch bei städtischen Ämtern eine Finanzierung. Für Kunst am neuen Rathausgebäude RiS B gibt es kein Budget. Die Instandhaltung der Arbeit „Haltestelle“ an einer Schule kam mit 21.000 Euro aus, die eine Stiftung beisteuerte. Mit der Summe für das Parkhausbild ließe sich dieser Betrag fast 24-mal bezahlen (500.000 geteilt durch 21.000 Euro).

Kritik

Wer eine Ausgabe von bis zu einer halben Million Euro selbst für nicht finanzierbar erklärt, muss ein Jahr später sehr gute Gründe vorweisen, warum sie plötzlich doch in den Haushalt passt. Ein Förderantrag beim Bund macht das Projekt nicht billiger, er verteilt die Last lediglich auf andere Steuerzahler. Ein Wandbild, das jahrelang niemand vermisst hat, an einem Parkhaus anzubringen, ist keine Aufgabe, für die eine Stadt diese Summe ausgeben sollte. Die Verwaltung hätte bei ihrer ersten Einschätzung bleiben oder zumindest eine deutlich günstigere Lösung verlangen müssen.

KA-25/006: Beirat für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum - Tätigkeitsbericht 2023 - 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 2. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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