Staatsbilanz

Stadt/Halle (Saale)/Fehlender Bedarf

65 Millionen Euro für eine Brücke in Halle

Halles AfD will 65 Millionen Euro Bundesgeld für eine Saalebrücke statt für Stadthaus, Feuerwehr und zwei Brücken, die nur 50,4 Millionen kosten

Was ist passiert?

Die Saale trennt in Halle große Wohnviertel voneinander. Wer von Halle-Neustadt in die Südstadt fährt, muss laut Antrag einen Umweg von etwa 8 Kilometern über die Magistralenbrücke nehmen. Der Stadtrat hat im März 2026 einen Maßnahmenplan beschlossen, wie die Stadt ihren Anteil am Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität einsetzen soll.

Die AfD-Stadtratsfraktion will diesen Plan zur Sitzung am 29. April 2026 umkrempeln. Sie beantragt 65 Mio. Euro für einen neuen, zweispurigen südlichen Saaleübergang von rund 2 Kilometern Länge und streicht dafür fast alle übrigen Vorhaben. Stehen bleiben sollen nur die Stadthaussanierung (33 Mio. Euro), zwei Feuerwehrhäuser (je 3,7 Mio. Euro) und zwei Brücken (3 und 7 Mio. Euro). Zusammen sind das 50,4 Mio. Euro, die Brücke allein ist also teurer. Wie die 65 Mio. Euro zustande kommen, sagt der Antrag nicht. Je Kilometer wären es 32,5 Mio. Euro (65 Mio. Euro geteilt durch 2 Kilometer).

Den Nutzen beziffert die Fraktion auf etwa 16 Mio. Euro im Jahr. Sie rechnet mit 2.500 Fahrzeugen je Richtung und Tag, also 5.000 Querungen, die je 6 Kilometer sparen. Das ergibt 4,16 Mio. Euro Fahrzeugkosten bei 0,38 Euro je Kilometer. Dazu kommen 12 Mio. Euro für gesparte Zeit: 20 Minuten je Fahrt, bewertet mit 20 Euro die Stunde. Das sind dann 600.000 Stunden im Jahr. Die Zahlen sind laut Antrag selbst nur „überschlägig“.

Die Rechnung hat Schwächen. Drei Viertel des Nutzens (12 von 16 Mio. Euro) bestehen aus bewerteter Zeit. Zudem unterstellt sie, dass 6 Kilometer weniger Weg 20 Minuten sparen, also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 18 km/h auf der alten Route. Dass der Übergang in der Saaleaue gebaut werden müsste, tut der Antrag als lösbar ab. Auch räumt er ein, dass solche Brücken in Halle bisher vor allem am Geld scheiterten. Nun soll das Sondervermögen die Hürde beseitigen. Was daraus wurde, ist nach Stand der Vorlage offen.

Kritik

Eine Ausgabe von 65 Mio. Euro darf nicht auf Überschlagsrechnungen beruhen, bei denen drei Viertel des Nutzens aus pauschal bewerteter Zeit bestehen. Dass ein Projekt jahrelang an der Finanzierung scheiterte, ist kein Grund, es nun mit dem ersten verfügbaren Geld zu bauen. Bevor einzelne Vorhaben gestrichen werden, braucht es eine belastbare Kostenschätzung und eine Verkehrsuntersuchung. Sanierungen von Stadthaus, Feuerwehren und anderen Bauwerken sollten nicht einem Prestigeprojekt mit offenem Ausgang weichen.

VIII/2026/02638: Änderungsantrag der AfD-Stadtratsfraktion zum Änderungsbeschluss zum Grundsatzbeschluss zur Umsetzung des Sondervermögens des Bundes Infrastruktur und Klimaneutralität in der Stadt Halle (Saale) vom 25.03.2026, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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