Leuchtboden für 1,72 Millionen Euro
Halle will für drei Sportvereine in der SWH.arena einen Boden mit Leuchtlinien kaufen, obwohl ein Rollboden nur etwa 45.000 Euro kostet
Was ist passiert?
Die SWH.arena in Halle ist die Heimat von gleich drei Erstligisten: der Frauen-Basketballerinnen, der Frauen-Handballerinnen und der Männer-Volleyballer. Die Stadt nennt es bundesweit einmalig, dass drei Bundesligisten verschiedener Sportarten dieselbe Halle nutzen. Die Halle gehört der Bäder Halle GmbH (BHG), die Stadt ist nur Pächterin.
Die Ligen verlangen Böden, auf denen allein die Linien der eigenen Sportart zu sehen sind. Die Handballer erhielten 2023 dafür einen mobilen Boden für rund 45.000 Euro, die Volleyballer haben einen eigenen. Für die Basketballer müsste ein dritter her, der laut Vorlage ebenfalls rund 45.000 Euro kosten dürfte. Bislang kleben sie die fremden Linien mit Klebeband ab. Die Stadt will stattdessen einen Glassportboden, in dem LED-Streifen die jeweiligen Linien auf Knopfdruck zeigen. Geschätzte Kosten: 1,72 Mio. Euro netto. Eine konkrete Kostenermittlung liegt noch nicht vor.
Die Verwaltung begründet das mit dem Aufwand der mobilen Böden. Aufbau und Fixierung dauern drei bis vier Stunden, dazu kommt eine Ruhezeit des Bodens, sodass schon am Vorabend aufgebaut werden muss. Bei zwei Ligaspielen am Wochenende sei die Halle deshalb nur etwa 2 x 4 Stunden nutzbar, obwohl 26 Stunden zur Verfügung stünden. Ein Dienstleister für den Aufbau koste jeden Verein rund 40.000 Euro pro Saison.
Die BHG soll investieren, über Darlehen der Stadtwerke, und die Stadt zahlt das über einen höheren Pachtzins zurück: rund 139.000 Euro jährlich ab 2028. Das entspricht dem Preis von etwa drei neuen mobilen Böden (3 x 45.000 Euro = 135.000 Euro), und zwar jedes Jahr. Die drei Vereine wollen zehn Jahre lang je 30.000 Euro beisteuern, zusammen 90.000 Euro. Trotzdem bleibt für die Stadt ein Defizit von bis zu rund 48.000 Euro im Jahr. Eine Förderung von 50 Prozent ist erst angedacht, der Antrag muss bis 31. August 2026 gestellt werden. Der Stadtrat sollte am 29. April 2026 entscheiden, unter Haushaltsvorbehalt, während die Stadt zugleich ihren Haushalt konsolidieren muss.
Kritik
Eine Stadt, die ihren Haushalt konsolidieren muss, sollte keinen Boden für 1,72 Mio. Euro bestellen, solange ein mobiler Boden für 45.000 Euro die Ligavorgaben erfüllt. Der Komfortgewinn bei Aufbau und Hallenzeiten rechtfertigt weder die Pachterhöhung noch ein dauerhaftes Defizit für die Stadtkasse. Vorrang hätte der günstige Boden für die Basketballer haben müssen, die Glaslösung allenfalls später und nur bei gesicherter Förderung. Dass der Preis erst eine Schätzung ist und sich die Verbandsregeln ändern können, macht die Wette zusätzlich riskant.
VIII/2025/02070: Beschluss zur Verlängerung des Namensrechte- und Sponsoringvertrags sowie zur Kapazitätserweiterung und zum Einbau eines modernen Sportbodens in der SWH.arena, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 15. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.