Feuerwehrhaus für Retter, die es nicht gibt
Heilbronn plant in Böckingen ein Feuerwehrhaus für 60 Einsatzkräfte, dabei hat die Freiwillige Feuerwehr dort nur 38 und es werden weniger
Was ist passiert?
Die Freiwillige Feuerwehr im Stadtteil Böckingen arbeitet seit 1973 im selben Feuerwehrhaus. Getrennte Umkleiden für Frauen und Männer fehlen, für die Jugendfeuerwehr ist kein Platz, und am alten Standort lässt sich kaum etwas erweitern. Abhilfe soll ein Neubau auf dem städtischen Areal „Sonnenbrunnen“ schaffen, rund 0,8 Hektar groß und bislang als Grün-, Lager- und Parkplatzfläche genutzt. Am 21. Mai 2026 genehmigte der Gemeinderat bei einer Enthaltung Raumprogramm und Grundstück und beauftragte die Verwaltung, einen Wettbewerb zu starten.
Zunächst fällt die Größe auf. Laut Vorlage zählt die Abteilung 38 aktive Feuerwehrangehörige, und ihre Zahl ist nach Darstellung der Stadt seit Jahren rückläufig. Das Raumprogramm rechnet dagegen mit 60 Einsatzkräften plus 15 Jugendlichen. Das sind 22 Einsatzkräfte mehr als heute, ein Aufschlag von knapp 58 Prozent (22 geteilt durch 38). In der Tabelle selbst steht als aktueller Stand übrigens „45“, eine Zahl, die zum Text der Vorlage nicht passt. Entsprechend großzügig fällt der Rest aus: ein Schulungsraum für 75 Personen, 40 Alarmparkplätze, also mehr Stellplätze als aktive Mitglieder, obwohl die Norm mindestens 9 verlangt. Hinzu kommen rund 1.230 Quadratmeter Räume und weitere 1.420 Quadratmeter Außenanlagen. Als Begründung dient die Hoffnung, ein sichtbares neues Gebäude werde schon neue Mitglieder anlocken.
Dann das Grundstück. Eine Teilfläche ist nicht hochwasserfrei; der Schutz soll irgendwann mit der Erschließung des Baugebiets Längelter am Wolfsgraben kommen. Ob ein Bebauungsplan nötig ist, war noch nicht geklärt. Das stadteigene Bauinvestitionscontrolling empfahl, diese Risiken möglichst vor dem Wettbewerb auszuräumen, weil sie Termine und Kosten erheblich beeinflussen könnten. Der Gemeinderat gab trotzdem grünes Licht. Was der Neubau kosten soll, steht nirgends. Die Gesamtkosten sollen erst mit der Entwurfsplanung berechnet werden.
Kritik
Eine Feuerwache muss für die Mannschaft gebaut werden, die es gibt, nicht für eine erhoffte. Wer bei 38 Aktiven und sinkender Tendenz für 60 Einsatzkräfte plant, legt sich auf Dauer Bau- und Unterhaltskosten für leere Spinde und Parkplätze ins Haus. Zudem hätte die Stadt den Rat ihres eigenen Controllings befolgen und Hochwasserschutz und Baurecht klären müssen, bevor sie Geld in einen Wettbewerb steckt. Sonst droht ein Entwurf, der später teuer umgeplant werden muss.
093/2026: Neubau einer Freiwilligen Feuerwehr in Heilbronn-Böckingen: Vorprojektbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 21. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.