Staatsbilanz

Stadt/Heilbronn/Fehlender Bedarf

Heilbronn baut Stadion für fremden Fußballverein

Heilbronn steckt 4,3 Millionen Euro in sein Stadion für einen Verein aus Freiberg, der pro Spiel nur 1.000 bis 2.000 Euro Miete zahlen soll

Was ist passiert?

Das Frankenstadion gehört der Stadt Heilbronn und ist als Multifunktionsstadion angelegt. Schulen, Leichtathleten und örtliche Vereine wie der VfR Heilbronn nutzen die Anlage, die Tribüne bietet rund 1.200 Sitzplätze. Profifußball fand hier bislang nicht statt. Das soll sich ändern, allerdings für einen Verein aus einer anderen Stadt.

Der SGV Freiberg spielt in der Regionalliga Südwest, stand zum Zeitpunkt der Vorlage an der Tabellenspitze und will in die 3. Liga. Sein eigenes Wasenstadion in Freiberg hat nach Darstellung der Verwaltung seit geraumer Zeit strukturelle Defizite. Also fragte der Verein in Heilbronn an. Im März 2026 stimmte der Gemeinderat bei einer Gegenstimme zu: Der SGV soll im Frankenstadion trainieren und spielen, und die Stadt bewilligte 4,3 Mio. Euro, um die Anlage drittligatauglich zu machen.

Auf der Liste stehen eine Flutlichtanlage für 1,5 Mio. Euro, eine Rasenheizung für weitere 1,5 Mio. Euro und 800 zusätzliche Sitzplätze für 600.000 Euro, also 750 Euro je Platz. Für die Rasenheizung muss der Unterbau des Spielfelds neu aufgebaut werden, die erst 2023 eingebaute Bewässerung bleibt nur teilweise erhalten. Gästeeingang, VIP- und Medienbereiche und gegebenenfalls ein Polizeigewahrsam kommen hinzu, ihre Kosten konnte die Verwaltung noch nicht beziffern. Bei den Betriebs- und Personalkosten erwartet sie selbst einen „deutlichen Anstieg“.

Die Einnahmen fallen bescheiden aus. In der Regionalliga soll der Verein 1.000 bis 2.000 Euro Miete pro Spieltag zahlen, in der 3. Liga 3.000 bis 5.000 Euro. Für die Rasenheizung sind 5.000 bis 7.000 Euro im Monat angesetzt. Selbst beim Höchstsatz kämen die 1,5 Mio. Euro erst nach rund 18 Jahren wieder herein (1,5 Mio. Euro geteilt durch 7.000 Euro ergibt gut 214 Monate). Wie viel der Verein zu den Umbauten beisteuert, soll erst noch verhandelt werden. Zugesagt ist das Stadion zunächst für eine einzige Saison.

Die Stadt verweist darauf, dass sie das Stadion ohnehin ertüchtigen wollte und das Flutlicht bereits vorgesehen war. Weil die Lizenzfristen des DFB drängen, wich sie von ihrer üblichen Dienstanweisung für Bauprojekte ab. Einen weiteren Baubeschluss braucht es nicht. Das Tempo gibt der Verein vor, die Rechnung bleibt bei der Stadt.

Kritik

Eine Stadt baut für 4,3 Mio. Euro ein Stadion nach den Anforderungen eines auswärtigen Vereins um, bevor geklärt ist, was dieser selbst dazu beiträgt. Die angesetzten Mieten decken die Investition auf Jahrzehnte nicht, die Folgekosten sind noch nicht einmal beziffert. Zuerst hätte ein langfristiger Vertrag mit verbindlicher Kostenbeteiligung stehen müssen, erst danach der Umbau. Die Infrastruktur für Profifußball sollte der Profiverein bezahlen, nicht die Steuerzahler.

072/2026: Ertüchtigung des Frankenstadions für die künftige Profi-Fußball-Nutzung, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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