Staatsbilanz

Stadt/Heilbronn/Fehlender Bedarf

Sprühnebel unter schattigen Bäumen

Heilbronn gibt 8,3 Millionen Euro für zwei Innenstadtstraßen mit Sprühnebel und Hängematten aus, obwohl dort schon alte Bäume Schatten spenden

Was ist passiert?

Zwischen der Fußgängerzone Sülmerstraße und dem Neckar liegen in der Heilbronner Innenstadt die Turmstraße und die Zehentgasse. Es sind gewöhnliche Erschließungsstraßen mit Gehwegen, Fahrbahn und Parkstreifen. In der Mitte stehen alte Platanen, die schon heute Schatten spenden. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen die beiden Straßen nach Angaben der Stadt bisher kaum eine Rolle. Das soll sich ändern, und zwar gründlich.

Im März 2026 genehmigte der Gemeinderat gegen fünf Stimmen die Entwurfsplanung: 4,724 Mio. Euro für die Turmstraße, 3,568 Mio. Euro für die Zehentgasse, zusammen rund 8,3 Mio. Euro. Vorgesehen sind ein farbiges Gestaltungsband als „Leitmotiv“, Stelen mit Licht, Nebelstelen, Cooling Spots mit Zerstäubern, Trinkbrunnen, Hängematten, Schaukel, Kletternetz und Sonnensegel. Für Planung und Nebenkosten sind pauschal 30 Prozent der Baukosten angesetzt, zusammen knapp 1,46 Mio. Euro netto.

Neu entstehen sollen rund 3.350 Quadratmeter Grünfläche, 1.950 in der Turmstraße und 1.400 in der Zehentgasse. Legt man die Gesamtkosten darauf um, kostet jeder neue Quadratmeter Grün rund 2.475 Euro (8,292 Mio. Euro geteilt durch 3.350). Die Verwaltung hält die Kosten für nachvollziehbar und verweist auf andere Heilbronner Projekte. Das hauseigene Bauinvestitionscontrolling klingt weniger zuversichtlich: Eine komplette Kostensicherheit bestehe noch nicht. Weitere Preissteigerungen bis zur Vergabe der Zehentgasse im Jahr 2028 sind nicht eingerechnet.

Auch beim Fördergeld gibt es noch keine Gewissheit. Das Land hat eine Förderung aus dem Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“ lediglich grundsätzlich in Aussicht gestellt. Eingeplant sind rund 3,8 Mio. Euro, ausdrücklich unter Vorbehalt. Selbst wenn dieses Geld fließt, bleiben gut 4,5 Mio. Euro bei der Stadt. Hinzu kommen dauerhaft rund 52.000 Euro im Jahr für die Pflege der Beete und den Unterhalt von Brunnen und Neblern. Allein auf die Wasserelemente entfallen davon 24.000 Euro jährlich.

Kritik

Zwei Straßen, deren alte Platanen schon heute Schatten spenden, brauchen keine Nebelstelen, Lichtstelen und Hängematten für 8,3 Mio. Euro. Mehr Grün und weniger Versiegelung lassen sich auch ohne teure Ausstattung erreichen, die Jahr für Jahr Unterhalt verschlingt. Die Stadt hätte sich auf Entsiegelung, Pflanzflächen und einfache Sitzgelegenheiten beschränken sollen. Wer ein solches Projekt beschließt, bevor die Förderung sicher ist, lädt das Risiko beim städtischen Haushalt ab.

017/2026: Neugestaltung Turmstraße und Zehentgasse: Entwurf und Kosten, außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung sowie Vorabgenehmigung eines Ermächtigungsrests, Ratsinformationssystem der Stadt Heilbronn, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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