150.000 Euro für eine ungeliebte Melde-App
Karlsruhe will 150.000 Euro in seine App für Schadensmeldungen stecken, obwohl die Stadt selbst unzufrieden ist und sie ersetzen will
Was ist passiert?
Wer in Karlsruhe einen Mangel im Stadtbild entdeckt, kann ihn mit Ortsangabe per Smartphone an die Verwaltung melden. Dafür gibt es die App KA-Feedback, die im Rathaus als wichtiges Instrument der digitalen Bürgerbeteiligung gilt. Die erste Version stammte vom FZI, das sie nach einigen Jahren nicht mehr weiterentwickelte. Die Stadt suchte daher nach Markterkundung und Ausschreibung einen neuen Dienstleister. Am 1. Juli 2022 ging die neue, native App an den Start. Sie bildete zunächst die Funktionen der alten App 1:1 ab.
Der laufende Betrieb kostet die Stadt rund 75.000 Euro im Jahr, also etwa 205 Euro an jedem Tag (75.000 Euro geteilt durch 365). Hinzu kommen nun einmalige Anpassungskosten von rund 150.000 Euro, die bisher nicht im Haushalt stehen. Das entspricht zwei vollen Betriebsjahren.
Im Haupt- und Finanzausschuss im Juli 2025 räumte das IT-Amt ein, man sei mit der Leistung des Produkts nicht zufrieden. Auch dass es eine native App sei, gefalle nicht. Künftig soll KA-Feedback als progressive Web-App in die Karlsruhe.App integriert werden, ohne Umweg über die App-Stores. Wegen der Haushaltslage habe man sogar erwogen, das Angebot ganz einzustellen. Diesen Gedanken habe man aber wieder verworfen.
Beauftragt wurden dennoch die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit und eine Aktualisierung der Apps an die neuen Vorgaben der App-Stores. Zumindest ein Teil der Anpassungen fließt damit in eine Technik, die das Amt selbst hinter sich lassen will.
Auch an der Karlsruher Einzellösung soll sich nichts ändern. Mängelmelder gebe es inzwischen auf dem freien Markt, hieß es aus dem IT-Amt. Eine Neuausschreibung sei trotzdem nicht vorgesehen. Stattdessen will die Stadt enger mit der bisherigen Firma zusammenarbeiten. Diese erklärt nach Angaben des Amts, die damals entwickelten Abläufe ließen sich anderen Kommunen nicht verkaufen. Der Ausschuss war mit der Stellungnahme einverstanden, eine Abstimmung gab es nicht.
Kritik
Wer mit einem Produkt so unzufrieden ist, dass er seine Abschaffung erwägt, sollte kein weiteres Geld in dessen alte Technik stecken. Bevor 150.000 Euro für Anpassungen fließen, gehört die Karlsruher Einzellösung auf den Prüfstand und muss sich mit den Mängelmeldern messen lassen, die es inzwischen am Markt gibt. Eine Neuausschreibung auszuschließen und sich noch enger an einen Anbieter zu binden, dessen Produkt nach eigener Aussage niemand sonst kaufen würde, ist bei angespanntem Haushalt der falsche Weg. Pflichten wie die Barrierefreiheit müssen erfüllt werden, aber in der Lösung, die auch bleiben soll.
2025/0489: KA-Feedback nutzungsfreundlich weiterentwickeln: für echte digitale Bürgerbeteiligung, Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 20. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.