23 Millionen Euro für den Umzug eines Baseballvereins
Karlsruhe verlegt für neue Wohnungen einen Baseballverein für 23,3 Millionen Euro, 12,2 Millionen davon bekommen andere Sportvereine am neuen Platz
Was ist passiert?
In der Karlsruher Nordstadt soll ein neues Quartier mit Wohnraum für 3.200 bis 3.600 Menschen entstehen. Im Weg liegen die Spielfelder der Cougars, eines Baseball- und Softballvereins mit rund 170 regelmäßig trainierenden Spielerinnen und Spielern. Spätestens Ende 2028 muss der Verein weichen. Die Stadt prüfte 53 Standorte und landete bei einem einzigen: dem Sportgelände An der Sandgrube in Neureut, auf dem bereits vier Vereine zu Hause sind.
Dort setzt der Umzug eine Kettenreaktion in Gang. Das Wettkampffeld der Cougars soll auf die Fläche des Volleyballvereins CVJM, der dafür ein neues Vereinsheim dort bekommt, wo heute die Brieftaubenzüchter sitzen. Die Taubenzüchter sollen in ein städtisches Gebäude ziehen, das ein Malerbetrieb gepachtet hat. Der wiederum möchte ein anderes städtisches Objekt und einen Ausgleich für seine Außenflächen. Auch die Nachbarn knüpfen ihr Einverständnis an Gegenleistungen: Die Turngemeinde will die alte CVJM-Halle übernehmen und für 4,06 Mio. Euro saniert haben, der Fußballclub mit seinen zwei Mannschaften einen Kunstrasenplatz für 1,67 Mio. Euro samt neuem Flutlicht.
Die Verwaltung beziffert das Paket überschlägig auf rund 23,3 Mio. Euro, inklusive 30 Prozent Zuschlag für Unvorhergesehenes. Auf die Cougars entfallen etwa 11,1 Mio. Euro, darunter 4 Mio. Euro für Ballfangzäune von teils über 20 Metern Höhe. Die übrigen 12,2 Mio. Euro (23,3 minus 11,1) gehen an die Neureuter Vereine. Allein der CVJM, von dessen 275 Mitgliedern derzeit keine Mannschaft am offiziellen Spielbetrieb teilnimmt, soll einen Neubau für 4,7 Mio. Euro erhalten. Umgelegt auf die Spieler der Cougars kostet der Umzug rund 137.000 Euro je Kopf (23,3 Mio. Euro geteilt durch 170).
Im Haushalt ist dafür nichts eingeplant, Fördermittel gelten lediglich als möglich, die Vereine bieten Helferstunden und Spenden an. Der Gemeinderat beschloss im Juni 2025 mit 32 zu 14 Stimmen trotzdem, das Vorhaben weiterzuverfolgen. Die Kosten selbst wurden ausdrücklich noch nicht bewilligt.
Kritik
Aus dem Umzug eines einzelnen Vereins ist ein Sanierungsprogramm für ein ganzes Sportgelände geworden, bei dem mehr als die Hälfte des Geldes gar nicht bei den Cougars ankommt. Hallensanierung, Kunstrasen und Vereinsneubau mögen für sich genommen begründbar sein, gehören dann aber in die reguläre Sportförderung und müssen sich dort gegen andere sanierungsbedürftige Anlagen der Stadt behaupten. Wer Wohnungsbau ermöglichen will, sollte die Verlagerung auf das beschränken, was der umziehende Verein tatsächlich braucht, und die Zusatzwünsche der Nachbarn davon trennen. Ohne Finanzierung im Haushalt weiter zu planen, bindet Verwaltung und Vereine nur an Erwartungen, die sich womöglich nicht erfüllen lassen.
2025/0279: Verlagerung des 1. Baseball und Softball Club Karlsruhe Cougars e. V., Ratsinformationssystem der Stadt Karlsruhe, 19. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.