14,5 Millionen Euro für Kölner Anbau
Köln zahlt 14,5 Millionen Euro für einen Anbau am Rheinufer, obwohl seine Veranstaltungshäuser 6,2 Millionen Euro Verlust machen und nichts dafür bekommen
Was ist passiert?
Die Stadt betreibt ihre Veranstaltungsstätten, darunter Gürzenich, Kölner Philharmonie, Rheinterrassen/Tanzbrunnen und Flora, über das Veranstaltungszentrum, eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung. Sie schreibt seit Jahren Verluste, und der Rat hat für 2026 einen Jahresfehlbetrag von rund 6,2 Mio. Euro eingeplant. Dennoch stehen im Vermögensplan zwei Posten, die zusammen 14,5 Mio. Euro ausmachen: ein Investitionskostenzuschuss an die Koelncongress GmbH für den Anbau der Rheinterrassen, gezahlt in zwei Raten zu je 7,25 Mio. Euro.
Die erste Rate soll am 1. Juli 2026 fließen, die zweite 2028 „mit Baufortschritt“. Was die Stadt im Gegenzug erhält, steht im Quartalsbericht nicht. Auch die Gesamtkosten des Anbaus werden dort nicht genannt.
Zur Einordnung: Das größte Bauprojekt des Veranstaltungszentrums ist die Sanierung der Open-Air-Bühne und der Schirme am Tanzbrunnen. Sie soll höchstens 13,6 Mio. Euro kosten und liegt nach Angaben der Verwaltung im Budget. Der Zuschuss für den Anbau ist mit 14,5 Mio. Euro um 0,9 Mio. Euro höher (14,5 minus 13,6). Er entspricht außerdem mehr als dem Doppelten des geplanten Jahresfehlbetrags von rund 6,2 Mio. Euro.
Die Finanzlage der Einrichtung macht die Summe nicht kleiner. Für 2026 ist ein negativer Liquiditätsbestand von 16,0 Mio. Euro angesetzt, am 31. März 2026 lag er bei minus 12,0 Mio. Euro. Zur Finanzierung ist eine Neukreditaufnahme von 44,9 Mio. Euro vorgesehen, und die Darlehenszinsen sollen allein 16,6 Mio. Euro betragen.
Die Verwaltung sieht darin kein Problem. Im ersten Quartal seien keine „erfolgsgefährdenden Entwicklungen“ eingetreten, heißt es im Bericht. Ob der Zuschuss tatsächlich wie geplant gezahlt wurde, ist nach der Vorlage vom Mai 2026 unbekannt.
Kritik
Ein Zuschuss von 14,5 Mio. Euro ist selbst für eine große Stadt eine gewichtige Summe, erst recht aus einer Einrichtung, die im Minus wirtschaftet und neue Kredite aufnehmen will. Dass er die Kosten der gesamten Tanzbrunnen-Sanierung übersteigt, zeigt, wie groß der Posten ist. Ein Zuschuss in dieser Höhe sollte an eine klare Gegenleistung für die Stadt gekoppelt sein, etwa Eigentum, Nutzungsrechte oder eine Rückzahlung bei Zweckverfehlung. Zudem sollte der Empfänger einen spürbaren Eigenanteil tragen, statt dass die Stadt zwei Raten ohne erkennbaren Gegenwert überweist.
1229/2026: Eigenbetriebsähnliche Einrichtung Veranstaltungszentrum der Stadt Köln - Quartalsbericht I/2026, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 8. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.