Staatsbilanz

Stadt/Köln/Fehlender Bedarf

28 Euro Zuschuss für jede Lastenrad-Fahrt

Köln gab für jede Fahrt mit einem der 15 ausleihbaren Lastenräder 28 Euro aus, an der besten Station wurde weniger als einmal pro Tag eines geliehen

Was ist passiert?

Köln will bis 2035 klimaneutral werden und möglichst viele Autofahrten ersetzen. Neben dem Leihfahrrad der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sollte deshalb auch ein Leihlastenrad für Einkauf und Kindertransport zum Angebot gehören. Der Rat beschloss im Juni 2022 einen Pilotversuch.

Vom 9. Dezember 2022 bis zum 30. Juni 2025 standen 15 elektrisch unterstützte Lastenräder an Stationen in Nippes, Deutz und Neubrück, später auch in Stammheim. Wer ein Abo der KVB besaß, bekam 90 Freiminuten pro Woche, gedacht für den Wocheneinkauf. Die Stadt bewertet das Freikontingent als Anreiz und als sinnvolle Erweiterung des Abos.

Die Nachfrage blieb jedoch niedrig. Die Verwaltung spricht selbst von einem „konstant niedrigen Niveau“. Die meistgenutzte Station kam auf weniger als eine Ausleihe pro Tag. In Neubrück musste das Angebot im Februar 2024 wegen geringer Nachfrage reduziert werden. Dort richtete Vandalismus zusätzlichen Schaden an. Gestohlen wurden unter anderem Boardcomputer, Beleuchtung und Griffe. Als die Vorderräder gesichert wurden, verschwanden sie samt Gabel, die Sicherung wurde wieder entfernt. Anfangs hätten Diebstahl und Betrugsversuche das System beinahe beendet.

Am Ende steht eine Zahl, die die Stadt selbst „sehr hoch“ nennt: Im Schnitt 28 Euro Aufwand für die Stadt je Fahrt. Zum Vergleich: Eine Ausleihe dauerte im Mittel rund 175 Minuten. Zum Minutentarif von 9 Cent wären dafür etwa 16 Euro fällig geworden (175 × 0,09 = 15,75 Euro). Der Aufwand der Stadt je Fahrt lag also fast beim Doppelten dessen, was ein zahlender Kunde ohne Abo entrichtet hätte.

Die Verwaltung räumt ein, dass der Aufwand „in einem ungünstigen Verhältnis zur Wirkung“ steht. Eine Wiederholung sei wegen der Haushaltslage nicht möglich. Immerhin sieht sie das Angebot als sinnvolle Ergänzung dort, wo wenige Menschen ein Auto besitzen. Die Erkenntnisse sollen in den künftigen Mobilitätsplan einfließen.

Kritik

Ein Pilotversuch darf scheitern, doch 15 Räder an bis zu acht Stationen waren eine teure Wette auf eine Nachfrage, die sich in Neubrück früh als schwach zeigte. Wer pro Fahrt 28 Euro zuschießt und bei der besten Station nicht einmal eine Ausleihe am Tag erreicht, hätte deutlich kleiner und mit klarer Kostengrenze starten müssen. Vandalismus und Diebstahl waren von Beginn an zu erwarten, die Sicherung hätte vor dem Start stehen müssen. Auch das großzügige Freikontingent für Abokunden trieb die Kosten, ohne dass die Nutzung nennenswert stieg.

2913/2025: Einrichtung eines stadtweiten Lastenradverleihsystems (KVB-Lastenrad): Evaluation des Pilotversuchs, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 7. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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