Staatsbilanz

Stadt/Köln/Fehlender Bedarf

40.000 Euro für Vogelnetz und Lautsprecher

In Köln-Lindenthal soll ein Tierpark-Verein 40.000 von 130.900 Euro Stadtbezirksgeld bekommen, andere Vereine meist unter 4.000 Euro

Was ist passiert?

Jeder Kölner Stadtbezirk darf jährlich über ein kleines eigenes Budget entscheiden, die sogenannten bezirksorientierten Mittel. In Lindenthal verteilt die Bezirksvertretung damit Zuschüsse an Vereine, Schulen, Kirchengemeinden und Nachbarschaftsinitiativen. Für 2026 stehen 130.900 Euro bereit.

Die Liste, die die fünf Fraktionen der Bezirksvertretung gemeinsam beantragt haben, enthält rund 70 Posten. Sie reichen vom Tanznachmittag im Seniorentreff für 200 Euro über den Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz für 2.000 Euro bis zur Stolpersteinarbeit mit Schülern für 500 Euro. Meist liegen die Beträge zwischen 200 und 4.000 Euro. Der größte dieser gewöhnlichen Posten beträgt 4.000 Euro.

Dann kommen zwei Zeilen, die aus dem Rahmen fallen. Der Förderverein des Lindenthaler Tierparks soll 25.000 Euro für die erweiterte Übernetzung der Geflügelvoliere erhalten und weitere 15.000 Euro für eine Durchsageanlage zur schnelleren Räumung. Zusammen sind das 40.000 Euro oder knapp 31 Prozent des gesamten Budgets (40.000 : 130.900). Allein das Volierennetz kostet mehr als das Sechsfache des nächstgrößeren Einzelpostens (25.000 : 4.000 = 6,25). Die übrigen Posten teilen sich zusammen 90.900 Euro (130.900 minus 40.000).

Eine Begründung, warum gerade diese beiden Baumaßnahmen aus dem Bezirkstopf bezahlt werden sollen, enthält der Antrag nicht. Er sollte am 9. März 2026 in der Bezirksvertretung beschlossen werden. Ob das unverändert geschah, ist nicht bekannt.

Kritik

Ein Budget, das für viele kleine Initiativen im Stadtbezirk gedacht ist, wird hier zu fast einem Drittel von einem einzigen Verein beansprucht. Ein Volierennetz für 25.000 Euro und eine Durchsageanlage für 15.000 Euro sind Investitionen, die in keinem Verhältnis zu den übrigen Zuschüssen von meist wenigen hundert bis wenigen tausend Euro stehen. Wer so große Summen aus dem Bezirkstopf vergibt, nimmt vielen kleinen Vereinen den Spielraum, für die das Geld eigentlich da ist. Sinnvoller wäre es, solche Anlagen über einen eigenen Haushaltsansatz oder den Betreiber zu finanzieren und den Bezirkstopf bei kleinen Förderungen zu belassen.

AN/0429/2026: Bezirksorientierte Mittel, Ratsinformationssystem der Stadt Köln, 9. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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