345.000 Euro für den Abriss einer Waldstraße
Krefeld lässt 135 Meter ungenutzte Straße im Wald aufreißen, obwohl die Stadt selbst kaum Nutzen für das Klima sieht
Was ist passiert?
Die Straße Ortmannsheide führt im Krefelder Westen durch einen kleinen Laubwald, mitten im Landschaftsschutzgebiet. Bis 2023 querte sie die Bahnstrecke an einem Bahnübergang. Weil dieser kaum genutzt wurde, ließ die Bahn ihn auflassen. Seither endet die Straße vor einem Erdwall und einer Schutzplanke, ein Ersatzweg für Radler und Landwirte wurde nebenan ausgebaut.
Das Problem: Immer wieder liefen Menschen um die Sperren herum, es entstanden Trampelpfade zu den Gleisen. Die Polizei empfahl deshalb, die Fahrbahn gleich ganz zurückzubauen. Bahn und Eisenbahn-Bundesamt lehnten es ab, dafür zu zahlen, die Sicherung sei richtlinienkonform. Also soll nun die Stadt auf 135 Metern Länge und 4,50 Metern Breite den Asphalt entfernen, zusammen 670 Quadratmeter. Veranschlagt sind 285.000 Euro, mit 20 Prozent Kostensteigerung rund 345.000 Euro. Das sind etwa 2.560 Euro je Meter oder gut 510 Euro je Quadratmeter.
Die Stadt räumt selbst ein, dass der Nutzen für Hitzeschutz und Starkregenvorsorge sehr gering sei, für das Stadtgebiet sogar zu vernachlässigen. Das Hauptmotiv sind Naturschutz und Ökopunkte: 2.680 Stück sollen auf dem städtischen Ökokonto landen. Dazu kommt Pilotcharakter, denn die Fläche sei konfliktarm und schnell umzusetzen.
Teuer wird es unter dem Asphalt. Ein Teil der Schwarzdecke ist pechhaltig und gilt als gefährlicher Abfall. Die Auffüllungen darunter, bis über zwei Meter tief, enthalten Schadstoffe und müssen komplett gegen geeigneten Boden ausgetauscht werden. Aufforsten lässt sich die Fläche wegen der Leitungen nicht, sie muss gemäht werden. Die Straße bleibt zudem gewidmet und im Besitz der Stadt.
Stand der Vorlage: Der Finanzausschuss sollte am 15. Juli 2026 beschließen. Beauftragt werden darf erst nach Genehmigung des Haushalts 2026. Ob das geschah, ist unbekannt.
Kritik
Für gut 345.000 Euro bekommt die Stadt einen Wald, der durch die Straße kaum Schaden nimmt, und nach eigenen Angaben keinen nennenswerten Klimanutzen. Die Ökopunkte machen den Preis nicht besser: Rechnerisch kostet jeder Punkt etwa 129 Euro (345.000 Euro geteilt durch 2.680). Wenn Entsiegelung ein Pilotprojekt sein soll, hätte man eine Fläche wählen müssen, an der sie Hitze und Starkregen tatsächlich mindert, und nicht eine, die schon als Übungsfeld das meiste Geld für Sondermüll und Bodenaustausch verschlingt. Die Sicherheit an der Bahn ist eine Aufgabe, für die vor allem die Bahn zuständig wäre, nicht die Stadtkasse.
766/26 -: - Verwaltungsvorlage Entsiegelung und Rückbau der Straße Ortmannsheide mit Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 15. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.