Staatsbilanz

Stadt/Krefeld/Fehlender Bedarf

5,2 Millionen Euro für einen Schwimmverein

Krefeld verteilt knapp 1 Million Euro Landesgeld im Jahr für Sportstätten, doch der Uerdinger Schwimmverein soll allein 5,2 Millionen bekommen

Was ist passiert?

Krefeld erhält vom Land jedes Jahr eine Sportpauschale, die für Bau und Sanierung von Sportstätten gedacht ist, auch solchen von Vereinen. 2026 beträgt sie 959.473 Euro. Vereine mit eigenen Anlagen sollen davon profitieren, und genau das tut der Uerdinger Schwimmverein 08 in einem Maß, das aus dem Rahmen fällt.

Der Verein hat nach eigenen Angaben knapp 10.000 Mitglieder, betreibt einen Badesee, mehrere Schwimmhallen und eine Sauna und zählt 400.000 Badbesuche im Jahr. Für die Sanierung abgängiger Anlagen, etwa der Badewasseraufbereitung, der Heizzentrale und der Becken, soll er insgesamt 5.194.853 Euro aus der Sportpauschale erhalten. Allein in den Jahren 2022 bis 2025 gab der Rat vier Nachbewilligungen frei: 134.901 Euro, 836.488,59 Euro, 623.463,41 Euro und 400.000 Euro, zusammen knapp 2,0 Mio. Euro. Nun soll eine weitere Rate von 400.000 Euro folgen. Das ist fast die Hälfte der 880.000 Euro, die der Rat in dieser Sitzung insgesamt für Vereinsprojekte freigeben soll (400.000 : 880.000 = 45 Prozent).

Die Begründung der Verwaltung: Der Verein sei der größte Schwimmverein Deutschlands, biete mehr als 6.600 Kursplätze in der Schwimmausbildung an und unterstütze das Schul- und Kitaschwimmen. Sein Vorstand habe zugesichert, der Stadt Kontingente für das Schulschwimmen auf vertraglicher Basis zur Verfügung zu stellen. Das klingt nach Gegenleistung, bleibt in der Vorlage aber eine Zusicherung.

Den Maßstab liefert ein anderer Krefelder Schwimmverein in derselben Vorlage: Die Schwimm-Vereinigung Krefeld bekommt für die Komplettsanierung ihres Bades mit Gesamtkosten von rund 3,7 Mio. Euro einen Zuschuss von 600.000 Euro, verteilt auf vier Jahre. Der Uerdinger Verein erhält fast das Neunfache (5.194.853 : 600.000 = rund 8,7). Auf jedes seiner knapp 10.000 Mitglieder entfallen rechnerisch mehr als 500 Euro Steuergeld.

Kritik

Wenn ein einzelner Verein über Jahre mehr als das Fünffache der städtischen Jahrespauschale erhält, bleibt für andere Sportstätten kaum Spielraum. Ein gemeinnütziger Verein mag wichtige Aufgaben übernehmen, doch dafür genügt ein Zuschuss in der Größenordnung, die andere Vereine bekommen. Eine Förderung dieser Höhe hätte von Beginn an mit einer festen Obergrenze und einem verbindlichen Vertrag über das Schulschwimmen verknüpft werden müssen, statt in einer Folge von Nachbewilligungen zu wachsen. Wer so viel öffentliches Geld in eine Vereinsanlage steckt, sollte der Stadt dafür dauerhafte Nutzungsrechte sichern.

653/26 -: - Verwaltungsvorlage Nachbewilligung im Teilergebnisplan 2026 hier: Förderung von diversen Maßnahmen aus Mitteln der Sportpauschale, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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