9,76 Millionen Euro für Bäder ohne Preis
Krefeld will 6,22 Millionen Euro für ein neues Schwimmbecken und 3,54 Millionen für das Bad Bockum einplanen, ohne Kostenberechnung
Was ist passiert?
Krefeld bekommt aus dem Infrastrukturpaket des Bundes über zwölf Jahre 126,68 Mio. Euro für Investitionen, etwa in Schulen, Klimaschutz, Straßen und Sport. Wofür das Geld ausgegeben wird, entscheidet der Rat. Ein gemeinsamer Antrag von Grünen und der Ratsgruppe LUKS vom 8. September 2026 wollte die Verteilung neu ordnen. Der Rat sollte am 15. September 2026 darüber beschließen, wie die Abstimmung ausging, ist nicht bekannt.
Der Antrag sieht 6,22 Mio. Euro vor, um die Bauarbeiten für ein Lehrschwimmbecken an der Gerberstraße zu beginnen. Der Bedarf für ein Becken in der Innenstadt sei groß, heißt es. Zugleich räumen die Antragsteller ein, dass der Vorschlag zwar seit Langem existiert, es aber keine validen Kostenschätzungen gibt. Fördermittel sind für das Becken nicht eingeplant, die gesamte Summe soll aus dem Eigenanteil kommen. Die Verwaltung soll erst „zeitnah“ eine Kalkulation vorlegen. Reichen die Mittel nicht, soll sie Fördermittel oder den Kernhaushalt prüfen. Als Argument führen die Antragsteller an, vergleichbare Projekte anderer Städte seien für unter 6 Mio. Euro umsetzbar. Die eingeplante Summe liegt damit bereits über dieser Marke.
Ähnlich sieht es beim Badezentrum Bockum aus. Dort sollen 3,54 Mio. Euro Eigenanteil ein Investitionsvolumen von 14,16 Mio. Euro auslösen, denn das Förderprogramm zur Sanierung kommunaler Schwimmbäder zahlt 75 Prozent (10,62 Mio. Euro). Das Programm ist allerdings noch in Neuauflegung. Die Verwaltung wird erst aufgefordert, die nötige Planungsreife herzustellen. Auch der Antrag räumt ein, dass der Politik „jegliche bezifferte Plan- oder Entscheidungsgrundlage“ fehle. Die Sanierung wäre mit dem Geld nicht abgeschlossen, es ginge zunächst um Technik und Pumpen.
Zusammen binden die beiden Bäder 9,76 Mio. Euro Eigenanteil, das sind rund 7,7 Prozent des gesamten Eigenanteils von 126,68 Mio. Euro (9,76 geteilt durch 126,68). Ob dafür ein Gegenwert entsteht, kann bisher niemand sagen.
Kritik
Eine Summe von 6,22 Mio. Euro festzuschreiben, bevor überhaupt eine Kostenschätzung vorliegt, verkehrt die Reihenfolge von Planung und Budget. Dass die Summe sogar über dem Betrag liegt, für den vergleichbare Becken laut Antrag zu haben sein sollen, zeigt, dass hier nach Gefühl statt nach Rechnung geplant wird. Auch in Bockum wird Geld für ein Förderprogramm reserviert, dessen Bedingungen noch gar nicht feststehen und für das die Planung fehlt. Erst Kostenschätzung und Planungsreife, dann die Mittel: So gehen Eigenanteile nicht auf Verdacht verloren, und der Rat entscheidet auf Basis echter Zahlen.
1482/26 A: - GEMEINSAMER Antrag Gremium Zu TOP Verwendung der Mittel aus dem Infrastrukturpaket - Änderungsantrag der Fraktion B90/Die Grünen und der Ratsgruppe LUKS vom 08.09.2026, Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld, 15. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.