Teure Wachleute am Stuttgarter Beckenrand
Stuttgart gab 2025 für private Sicherheitsdienste in vier Bädern 603.056 Euro aus, rund neunmal so viel je Bad wie die übrigen gemeldeten Bäder im Land.
Was ist passiert?
Im Sommer 2026 wollte ein Landtagsabgeordneter wissen, wie es um die Sicherheit in den Frei- und Hallenbädern Baden-Württembergs steht und was Kommunen für private Sicherheitsdienste ausgeben. Das Innenministerium ließ dazu über die Regierungspräsidien bei den Stadt- und Landkreisen nachfragen. Das Ergebnis: In 49 öffentlich betriebenen Bädern standen 2025 private Wachleute, Kostenpunkt zusammen 1.356.518 Euro.
Auffällig ist vor allem ein Posten. Die Stadt Stuttgart meldete vier Bäder mit Sicherheitsdienst und Kosten von 603.056 Euro. Das sind gut 44 Prozent der landesweit gemeldeten Summe, aufgebracht für gerade einmal vier der 49 Bäder. Rechnerisch kostete der Sicherheitsdienst in Stuttgart damit rund 150.800 Euro je Bad (603.056 Euro geteilt durch 4). Die übrigen 45 Bäder kamen zusammen auf 753.462 Euro, also auf rund 16.700 Euro je Bad. Stuttgart zahlte je Bad demnach etwa das Neunfache. Selbst Karlsruhe, der zweitgrößte städtische Posten, gab für drei Bäder 137.400 Euro aus und damit weniger als ein Viertel der Stuttgarter Summe.
An einer dramatischen Lage in den Bädern lässt sich der Aufwand kaum festmachen, jedenfalls nicht an den Zahlen des Ministeriums. Die 947 Straftaten in Freibädern bezeichnet es als weiterhin niedrigen Stand, im Zehnjahresvergleich ein Rückgang um 38,1 Prozent. Gut die Hälfte davon waren Diebstähle. Der Anstieg in den Hallenbädern geht nach Angaben des Ministeriums vor allem auf Großverfahren wegen Vermögens- und Fälschungsdelikten im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn zurück, nicht auf Gewalt am Beckenrand.
Welche Bäder in Stuttgart bewacht wurden und welche Leistungen die Summe umfasst, geht aus der Antwort nicht hervor. Zudem hatten nicht alle Kommunen fristgerecht geantwortet.
Kritik
Wer je Bad rund neunmal so viel für Wachleute ausgibt wie die übrigen gemeldeten Bäder im Land, muss dafür sehr gute Gründe haben. Bei landesweit seit Jahren rückläufigen Straftaten in Freibädern spricht wenig dafür, dass vier Stuttgarter Bäder einen solchen Aufwand benötigen. Andere Städte kommen mit einem Bruchteil dieser Summe aus. Stuttgart sollte Umfang und Verträge seiner Sicherheitsdienste auf den Prüfstand stellen und das Niveau an diesen Städten ausrichten.
Drucksache 18/357: Kleine Anfrage, Landtag Baden-Württemberg, 24. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.