400.000 Euro für Klinik ohne Plan
Bayern gibt 400.000 Euro für eine Anlaufstelle für Schwerkranke an der Uniklinik Regensburg, doch weder Plan noch Geld für den Betrieb stehen fest
Was ist passiert?
Am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) soll eine Anlaufstelle für ME/CFS entstehen, eine schwere neuroimmunologische Erkrankung. Nach Angaben der Staatsregierung gab es in Bayern 2024 rund 45.000 gesetzlich Versicherte mit dieser Diagnose. Sie werden bisher vor allem von Hausärzten betreut, hinzu kommen einzelne Ambulanzen und Kliniken. Die Fraktionen von CSU und FREIEN WÄHLERN stellten dem UKR laut Medienberichten vom März 2026 aus ihrer Fraktionsreserve 400.000 Euro für die Anschub- und Ausstattungsphase bereit.
Doch auf eine Anfrage im Landtag blieb vieles offen. Im Juni 2026 antwortete das Gesundheitsministerium, die Mittelverwendung sei noch in interner Abstimmung, das UKR erarbeite erst ein Gesamtkonzept. Wie sich die Summe auf Geräte, Räume und Personal verteilt, wie viele Patienten versorgt werden sollen und bis wann das Geld ausgegeben sein soll, konnte die Staatsregierung nicht sagen. Geprüft wird ein „reduziertes Einstiegsszenario“: eine Verwaltungsstelle und ein kleiner ärztlicher Stellenanteil.
Dass dies nicht weit trägt, räumt das UKR selbst ein. Die Pauschale der gesetzlichen Krankenversicherung, die einmal pro Fall und Quartal gezahlt wird, deckt die Kosten nach seiner Aussage „bei Weitem nicht“, die private Vergütung ebenso wenig. Den Innovationsfonds hielt das UKR für zu anspruchsvoll. Die Forschungsgruppe hängt an Drittmitteln, die nach jetzigem Stand bis 2027 befristet sind. Eine Dauerfinanzierung ist ungeklärt, der Zeitrahmen hänge „wesentlich von den finanziellen Rahmenbedingungen“ ab.
Zur Größenordnung: Verteilte man die 400.000 Euro auf die gut 45.000 diagnostizierten Kassenpatienten, blieben rund 9 Euro je Patient (400.000 : 45.317 ≈ 8,83). Die Staatsregierung sieht die Sicherstellung der ambulanten Versorgung ohnehin bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, nicht bei sich. Die Mittel gelten als Anschubfinanzierung, wie es danach weitergeht, sagt aber niemand.
Kritik
Erst wird eine Summe von 400.000 Euro zugesagt, dann soll ein Konzept entstehen, das sie rechtfertigt. Üblich und vernünftig wäre die umgekehrte Reihenfolge: Bedarf, Personal und Folgekosten klären, dann Geld bereitstellen. Eine Anschubfinanzierung für eine Ambulanz, deren Betrieb nach Aussage des UKR nicht kostendeckend möglich ist und deren Dauerfinanzierung offen bleibt, droht nach kurzer Zeit zu verpuffen. Wer so ein Angebot für Erkrankte schaffen will, muss die laufenden Kosten von Anfang an mitplanen.
Drucksache 19/12608: Schriftliche Anfrage: ME/CFS-Fachambulanz am Universitätsklinikum Regensburg: Mittelverwendung,, Bayerischer Landtag, 27. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.